Aufsteigen und Leben

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Wie Sie aus Rückschlägen die richtigen Schlüsse ziehen

Als der FC Bayern München jüngst gegen Real Madrid verlor und damit aus der Champions League ausschied, wurde klar: Die Bayern haben ebenso wenig ein Abo für Siege wie einen garantierten Stammplatz in Europas fußballerischer Spitzenklasse.

von Antje Heimsoeth

Selbstzufriedenheit, Bequemlichkeit und Sättigung sind gefährliche Stolpersteine auf dem Weg an die Spitze. Wer dann ins Straucheln gerät, tut gut daran, das Beste aus dem Sturz zu machen. Mit mentaler und emotionaler Stärke können wir auch den Widrigkeiten des Lebens souverän begegnen. Doch die Kunst, aus Niederlagen Lernerfahrungen zu generieren, will gelernt sein. Zwar stehen wir als Laufen lernendes Kleinkind unverdrossen nach dem x-ten Hinfallen wieder auf, doch später tun wir uns schwer damit. Zu groß ist oft das Beklagen widriger Umstände, das eigene Ego oder der Wunsch nach Anerkennung. Wie oft haben Sie schon gejammert über das harte Brot der Kaltakquise, wie oft schon beim Suchen nach neuen Ansätzen gesagt: „Das klappt eh nicht“? Gehören Sie auch zu den Menschen, die erst das Hindernis in Augenschein nehmen statt die Lücke in der Mauer zu erkennen? Oder treibt Sie die Jagd nach Rekordabsatzzahlen ständig an und lässt Sie beim Nicht-Erreichen ins Bodenlose stürzen? Dabei wissen wir alle: 100-Prozentige Erfolgszahlen in der Akquise und im Verkauf gibt es nicht.

Reflexion statt Resignation

Rekorde müssen nicht ständig gebrochen werden, das Wort „unschlagbar“ können Sie getrost aus Ihrem Wortschatz streichen. Jeder Spitzensportler weiß: Niederlagen gehören zum Sportlerleben. Das Leben ist kein permanentes Gipfeltreffen, sondern ein Auf und Nieder. Und aus jedem „Tal“besuch schöpfen wir neue Erkenntnisse und Lernerfahrungen, wenn wir es zulassen. Als Steve Jobs seinen Vorstandsposten bei Apple aufgeben musste, sagte er im Rückblick, es sei das Beste gewesen, was ihm passieren konnte. „Die Schwere des Erfolges wurde durch die Leichtigkeit, wieder ein Anfänger zu sein, ersetzt. Ich war weniger sicher und rutschte in einen der kreativsten Abschnitte meines Lebens.“ Warren Buffett wurde von der Harvard Business School abgelehnt, bevor er einer der erfolgreichsten Unternehmer der Welt und Multi-Milliardär wurde. Und Max Levchin scheiterte mehrfach, bevor er Paypal gründete: „Das erste Unternehmen, das ich gegründet habe, ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite Unternehmen ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, das dritte Unternehmen ist auch anständig gescheitert, aber das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Nummer fünf war dann Paypal.“ Erfolgreiche Menschen stehen schlichtweg einmal mehr auf als sie hinfallen – und verwandeln die gewonnenen Erkenntnisse in eine verbesserte Handlungsstrategie. Was ihnen dabei hilft, ist ihre mentale Stärke.

Innehalten, nicht anhalten – und hart arbeiten

Zugegeben, Rückschläge lassen sich schlechter verkaufen als Siege. Deshalb kennt der Erfolg auch viele Väter, während die Niederlage als Waisenkind ihr Dasein fristen muss. Doch tatsächlich bieten Rückschläge uns die Chance, zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Was zunächst nach Bremsklotz aussieht, kann letztlich zum Beschleuniger Richtung Erfolg werden. Niederlagen und Fehler zeigen uns nämlich, wo Verbesserungs- oder Änderungsbedarf herrscht. Sie zwingen uns zum Innehalten, nicht zum Anhalten. Wer bereitwillig in die Selbstreflexion geht, das Geschehene (schriftlich) analysiert und sich in Eigenverantwortung übt, erntet Entwicklung statt Stillstand. Der Misserfolg ist der Mentor des Erfolgs. Keine Frage: Es ist durchaus bequemer, nach Schuldigen fürs Scheitern zu suchen statt sich anzuschauen, welchen eigenen Anteil wir an der Niederlage haben. Aber vom Wegschauen hat noch niemand mehr Durchblick erlangt. Arbeit kommt nicht nur im Alphabet vor Erfolg. Die Tennisspielerin Angelique Kerber trug nach ihrem Australian-Open-Sieg ein T-Shirt, dass sie nach dem gewonnenen Finale zeigt mit dem Untertitel: Hard work wins. Kerber sagt dazu: „Harte Arbeit zahlt sich aus. Es gibt immer Auf und Abs – das weiß auch keine besser als ich –, aber irgendwann, wenn man dranbleibt, zahlt es sich aus.“

Vier A's für ein Halleluja

Um einen Rückschlag gewinnbringend zu verarbeiten, ist Akzeptanz Voraussetzung, das erste A des AAAA-Prinzips. Wehklagen und „Was wäre, wenn…“-Überlegungen helfen Ihnen nicht weiter. Akzeptieren Sie, dass Ihre Performance und/oder die Ihres Teams nicht optimal war. Nehmen Sie sich Zeit genug, um negative Stressgefühle abzubauen, z.B. durch Sport, einen Spaziergang in der Natur oder Gespräche mit Vertrauten. Das macht Ihren Kopf frei fürs zweite A, die Analyse.

Beantworten Sie (am besten schriftlich) folgende Fragen:

  • Was waren Faktoren für den Misserfolg?
  • Was lief gut? Welche Stärken kamen zum Tragen?
  • Was kann ich / können wir daraus lernen?
  • Was und wie lässt es sich beim nächsten Mal besser machen?
  • Was genau lässt sich verändern?
  • Was brauche ich für innere und äußere Ressourcen, um …?

Verzichten Sie bei Ihrer Analyse auf Zwänge wie „ich muss“ oder „die anderen müssen“, auf Abwertungen wie „Ich bin ein Versager“ oder „der andere taugt nichts“ und auf Katastrophisierungen wie „es wäre absolut schrecklich, wenn…“ Das bringt Sie nicht weiter, im Gegenteil: Es lenkt den Fokus weg von der Lösung, hin zum Problem.

Mit dem dritten A haken Sie das Geschehene ab. Lassen Sie die Vergangenheit hinter sich, Sie können sie nicht mehr ändern. Wenn Ihnen das mentale Loslassen hier nicht gelingt, blockieren Sie sich durch Ihr Gedankenkarussell beim zukünftigen Handeln. Ihr Fokus sollte aufs Hier und Jetzt gerichtet sein, denn das ist der einzige Zeitraum, den Sie gestalten können.

Und mit dem vierten A, dem Anlauf, nehmen Sie Ihr Ziel wieder (oder neu) ins Visier. Sammeln Sie sich und Ihre Kräfte, schwören Sie Ihr Team aufs gemeinsame Ziel ein und gehen Sie mit neuer Strategie ins Rennen um den Erfolg.

Misserfolge machen uns stärker, auch wenn sich das im Moment der Niederlage nicht so anfühlen mag. Es ist wichtig, danach den Blick nach vorne zu richten statt ständig in den Rückspiegel zu schauen. Dazu gehört mitunter auch, sich selbst Fehler zu verzeihen. Die Niederlage des FC Bayern im Champions League-Finale gegen Manchester United 1999 gilt übrigens als Mutter aller Niederlagen im Fußball. Die Bayern hatten ihre Lektion daraus gelernt. 2000/01 gewannen sie die Champions League.
Haben Sie den Mut, einer Niederlage ins Gesicht zu schauen – es lohnt sich!

Quellen:

brand eins, Heft 11/2014, Titel.

emotion, Mai 2017, S. 70-71.

Heimsoeth, A. (2015) Chefsache Kopf. Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz. Springer Gabler, Wiesbaden, S. 197.

https://www.companisto.com/de/blog/allgemeines/10-entrepreneure-die-vor-...

 

Über die Autorin:

Antje Heimsoeth, Diplom-Ingenieurin (FH), Coach, ECA und DVNLP, zert. Mental Coach, Gesundheitstrainerin, ECA Sport Coach (Master Competence), zert. Entspannungspädagogin, zert. Business Coach und Top-Speakerin mit mentalem Olympiafaktor: Go for Gold! mit eigenem Institut Heimsoeth Academy, ausgezeichnet als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ und „Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin“ (FOCUS).

Weltweit tätig. Auftritte bei RTL Aktuell, n-tv, Sport1, hamburg1, nrw.tv, BR (Blickpunkt Sport) und Sky sowie auf Kreuzfahrtschiffen (MS Europa 2, AIDA). Bestsellerautorin, zuletzt erschienen: „Chefsache Kopf. Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz“. Springer Gabler, 2015.
Infos unter  www.heimsoeth-academy.com,

von Antje Heimsoeth
 

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