Kolumne

Oh, du fröhliche Deko-Wut!

Von Sabina Wachtel15.12.2016
(c) Thinkstock/gpointstudio
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Machen wir uns nichts vor. Jedes anständige Unternehmen hat jetzt einen geschmückten Weihnachtsbaum. Wenn nicht in der Lobby, dann zumindest vor der Tür! Das kann man ja wohl erwarten! Das war es dann eigentlich auch schon – also, ich wäre mit dem Thema durch – wenn da nicht die extrem weihnachtsaffinen Mitarbeiter wären.

Fangen wir bei der Kleidung an. Die Unsitte mit diesen kitschigen oder auch hässlichen Motiv-Weihnachtspullovern fing vor Jahren an und ein Ende scheint nicht in Sicht: Der Klassiker, der "Ugly Christmas Sweater", wurde weiterentwickelt. Da ist die Mitarbeiterin am Empfang mit ihrem „This girl loves christmas“-Teil (Pfeil nach oben zum Gesicht) noch relativ harmlos. Wenigstens trägt sie einen Blazer drüber. „This is not a X-Mas Jumper“ ist auch sehr beliebt. Witzig. Wem gar nichts einfällt, der verschenkt Krawatten mit Nikoläusen, Christbaumkugeln, die man sich ans Revers heften kann oder Unterwäsche  mit Tannenbäumchen.

 

 

Wobei. Unterwäsche interessiert hier glücklicherweise nicht besonders. Regen wir Frauen uns doch auch ziemlich über solches Zeug auf - aber jetzt muss ich mal den Männern zu Hilfe kommen: Würden sich das Männer freiwillig kaufen? Nein. Bekommen das Männer meistens geschenkt? Ja. Und wer schenkt so ein Zeug? Frauen.

Und wehe, die guten Stücke werden in der nächsten Weihnachtssaison nicht getragen („Schatz, ich habe dir doch letztes Weihnachten so einen witzigen Schal mit dem betrunkenen Weihnachtsmann geschenkt, trag den jetzt mal, wenn Du ins Büro gehst – ist doch witzig!“) – dann hängt der Haussegen schief. Das sind bestimmt  auch die Frauen, die ihren Männern ernsthaft den Vorschlag machen, sie könnten doch zum letzen Meeting im Jahr Weihnachtsmützen tragen.

4 Stunden für die Dekoration

Es bleibt nun ja leider nicht beim rentierbestickten Pulli, der lustigen Krawatte mit Weihnachtskugeln oder den pfiffigen Nikolaus-Socken. Nein. Man kann sagen, dass die Vorweihnachtszeit alljährlich gewisse Reflexe auslöst. Angeblich ist es doch die Zeit der Ruhe und Besinnung – tatsächlich bricht aber eher eine große Geschäftigkeit, geradezu Hektik aus. Es wird gebacken, gestrickt, gebastelt. In der Wohnung wird jeder freie Quadratzentimeter dekoriert. Nichts dagegen zu sagen. In der Wohnung! Doch nicht im Büro! Das geht gar nicht!

Umfragen ergaben, dass in Deutschland 37% der Männer und 41% der Frauen mehr als vier Stunden im Jahr damit verbringen, ihre Umgebung weihnachtlich zu dekorieren. Vier Stunden! Und über 40% der Deutschen arbeiten im Büro. Den Rest kann man sich ausmalen.

Nun gut. Grundsätzlich ist nichts dagegen zu sagen, wenn wir uns bisschen „Vorweihnachtszeit“ auch ins Büro holen (wir verbringen ja auch viel Zeit hier). Zumal immerhin 1,2% der Befragten in einer repräsentativen Studie angegeben haben, selbst das Weihnachtsfest am Arbeitsplatz zu verbringen. Also, diese 1,2% haben m.E. ein uneingeschränktes Recht auf Weihnachtsdeko am Arbeitsplatz. Die dürfen. Würden uns nur alle anderen mit Girlanden um den Bildschirm, tanzenden Weihnachtsmännern und singenden Tannenbäumen verschonen.

Mut zum Kitsch

Ich kenne Unternehmen, da wird alljährlich ein „Team Weihnachten“ eingesetzt! Engagierte Kollegen, die die Vorweihnachtszeit bis zur Besinnungslosigkeit organisieren, planen und kontrollieren. Inklusive Weihnachtsfeier, die jedes Jahr unter ein anderes grausames Motto gestellt wird (2013: Nikolaus trifft auf Christkind; 2014: Sei dein eigener Tannenbaum und schmücke Dich).

Das ganze Gedöns geht natürlich auch mit Niveau. Es gibt nämlich Anzüge in Rot mit Nikoläusen oder Grün mit Tannenzweigen und Kugeln – die sind so hässlich, dass sie schon wieder schön sind. Das hat wiederum Stil.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Weihnachten!

Über die Autorin:

Sabina Wachtel, Jahrgang 1967, ist Unternehmerin, Rednerin, Buchautorin, Handelsblatt-Kolumnistin und TV-Expertin für Dresscode & Style, u. a. in ARD Brisant, ZDF WISO und SAT1 Frühstücksfernsehen.

Unter ihrem Label ManagerOutfit bietet Sabina Wachtel Workshops zum Thema Outfit und Erscheinungsbild im Business sowie individuelle Dresscode-Beratung an. Ihre Plattform für Beauty, Fashion und Lifestyle: MEMBER OF THE 55

Von Sabina Wachtel

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