Interview

Was macht eigentlich ein Sales Engineer?

aus der Redaktion14.12.2017
(c) Thinkstock/ipopba
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In unserer Reihe "Berufsbilder im Vertrieb" widmen wir uns heute dem Sales Engineer – eine Position, die im Rahmen der Digitalisierung immer bedeutender wird. Volker Conradt von Pay Pal erzählt Ihnen, wie sein Arbeitsalltag aussieht, was seine Highlights sind und inwieweit sich seine Tätigkeit vom klassischen Vertrieb abhebt.

aus der Redaktion

Herr Conradt, was macht eigentlich ein Sales Engineer?

Ein Sales Engineer tritt quasi als Vermittler zwischen den verschiedenen Welten auf, das heißt PayPal-Welt und Händlerwelt. Das bedeutet, dass ich bei einem Projekt für alle technischen Belange zuständig bin und die Schnittstelle zwischen meinen Kollegen aus dem Vertrieb und den Ansprechpartnern auf Händlerseite bilde. Ein großer Teil meiner Arbeit entfällt auf die direkte Zusammenarbeit mit dem Händler beziehungsweise dessen Entwicklungsabteilung. Darüber hinaus verstehe ich mich als Sprachrohr meiner Händlerkunden, indem ich deren Rückmeldungen an die Produktteams bei uns intern weitergebe. Diese können die genannten Punkte dann adressieren und gegebenenfalls eine Produktverbesserung anstoßen.

Projektmanagement ist das A und O für einen Sales Engineer. Man muss stets viele verschiedene Ansprechpartner und Abläufe im Auge behalten. Gleichzeitig braucht man ein sehr gutes technisches Verständnis. Flexibilität ist eine weitere Eigenschaft, die man mitbringen sollte. Man muss sowohl die Fragen des Entwicklers beantworten können als auch die Frage eines Mitarbeiters aus der Buchhaltung, der wissen möchte, wie PayPal eigentlich mit seinen vorhandenen Finanzbuchhaltungssystemen funktioniert.


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Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Abstimmungen mit Kollegen und Ansprechpartnern beim Händler sind ein fester Bestandteil meines Arbeitstages. Im Vorfeld von Workshops stimme ich in einem Telefonat mit dem Händler ab, welche Themen wir behandeln wollen. Danach setze ich mich hin, schaue mir sein Geschäft im Detail an, nehme bestehende Lösungen unter die Lupe und erstelle auf dieser Basis ein Konzept. Ein solches Konzept beschreibt zum Beispiel, wie man unsere technischen Gegebenheiten am besten in die auf Händlerseite vorhandenen Systeme integrieren könnte. Und natürlich, wie sich das Bezahlerlebnis für den Käufer optimieren lässt. Mit solchen und anderen Fragen befasse ich mich vorab, um sie dann im Workshop beim Händler vorzustellen.Voraussetzung dafür ist, dass ich auf dem neuesten Stand bin, was unsere Lösungen betrifft. Der regelmäßige Austausch mit unseren Produktabteilungen ist dementsprechend wichtig, damit ich auf dem Laufenden bleibe, aber auch, um mir Inspiration und Ideen zu holen. Da jeder Händler anders ist, benötigt man ein hohes Maß an Kreativität, um jedem das für sein Geschäft und seine Kunden bestmögliche PayPal-Bezahlerlebnis zu ermöglichen. „Wie kann ich etwas besser machen?“ ist eine der zentralen Fragen, die mich Tag für Tag aufs Neue antreibt.

Was ist das Highlight eines Arbeitstags?

Besonders viel Spaß macht es mir, wenn ich vor Herausforderungen gestellt werde. Zum Beispiel, wenn nicht alles so rund läuft wie erwartet. Dann gilt es, Klippen zu umschiffen und zwei Welten zueinander zu bringen, die mitunter auf den ersten Blick gar nicht zueinander passen. Hierfür eine passende Lösung zu finden ist etwas, was mich reizt. Shell SmartPay, unsere gemeinsam mit Shell entwickelte Lösung für das mobile Bezahlen an der Zapfsäule, ist ein Projekt, welches ich von technischer Seite betreut habe. Da hatten wir so manche Hürde auf dem Weg zum Ziel zu meistern. Dass ich jetzt meine Tankfüllung mobil per Smartphone und App zahlen kann, ist ein tolles Gefühl – nicht zuletzt, weil man sieht, dass die eigene Arbeit dazu beiträgt, unser aller Leben einfacher zu machen.

Verstehen Sie sich als klassischen Vertriebler?

Nein, absolut nicht. Klar beinhaltet mein Beruf auch ein gewisses Vertriebselement, weil ich ja gemeinsam mit meinen Kollegen daran arbeite, dass unsere Produkte vertrieben werden. Ich verstehe mich allerdings ganz klar als Technik-Profi, der gemeinsam mit dem Händler daran arbeitet, bestmögliche Lösungen und Kundenerlebnisse zu schaffen. Das bedeutet auch, dass ich im Rahmen von Projekten regelmäßig als Anwalt der gemeinsamen Verbraucherkunden auftrete. Händler haben oftmals eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie sie eine Bezahllösung umsetzen möchten. Ich versetze mich dann in die Lage des Käufers, überlege, was für diesen die beste Lösung ist und berate den Händler entsprechend.

Innerhalb unseres Teams liegt mein Schwerpunkt auf der Integration von PayPal in völlig neuen Umgebungen, zum Beispiel unsere Kooperation mit Shell oder die Integration von PayPal in die Vapiano-App. Da sind häufig kreative Wege gefragt, um vorhandene Hürden aus dem Weg zu räumen. 

 

Über Volker Conradt:

Volker Conradt ist Sales Engineer bei PayPal. Der studierte Informatiker gehört dem Unternehmen seit 2011 an und betreut innerhalb des Sales Engineering-Teams die Integration der Lösungen des Bezahldienstleisters in neuen Umgebungen abseits des klassischen E-Commerce.

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