Gastbeitrag

Warum Sie auf Positive Leadership setzen sollten

von Filiz Scarcella08.08.2018
(c) gettyimages/Andy Roberts
(c) gettyimages/Andy Roberts

Es läuft gerade nicht so toll. Die Zahlen sind schlecht, die Fehltage sind auf einem Rekordhoch, ständig wird getuschelt statt offen und ehrlich miteinander gesprochen, und jeder grummelt nur so vor sich hin – Alltag in vielen Unternehmen.

von Filiz Scarcella

Anpacken statt Ausreden suchen

Einen Text so negativ einleiten? Warum nicht? So ist das schließlich häufig. Erst einmal sehen wir all das, was schiefläuft. Das klappt nicht, wir können dies und das nicht –  Stärken haben wir schon mal gar keine.

Im Job scheint der Fokus auf Wirtschaftlichkeit zu liegen, darauf was aus einem Menschen „herausgeholt“ werden kann. Die Person als Ressource, um Umsatz zu generieren. Kein Wunder, dass Mitarbeiter unzufrieden und nur wenig motiviert sind. Die Arbeit ist schließlich nur das: Ein Weg um sich Geld zu verdienen und dieses dann für all das ausgeben, was einen glücklich macht.

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Das geht auch anders: Mit einer Portion Positivität, Sinnhaftigkeit, dem Willen zum Anpacken und dem Mut zur Veränderung. Die Reise dahin beginnt immer bei einem selbst – der Führungskraft, die positive Emotionen im Job zulässt und dem Mitarbeiter, der Verantwortung übernehmen und für sein eigenes Arbeitsglück sorgen muss.

Positive Leadership – Was ist das überhaupt?

Positive Psychologie ist ein Ansatz, auf den der Amerikaner Martin Seligman einen neuen Fokus legte, als er Ende der 90er Jahre Präsident der American Psychological Association wurde.

Statt sich mit psychischen Leiden zu beschäftigen – Depressionen, Schwächen, Ängste – und dem Versuch diese zu „heilen“, lag das Augenmerk nun vor allem auf dem Positiven.

Es geht um all die Dinge, die ein Leben erfüllend machen, die uns Sinn geben und für Glück sorgen. Es geht um Erfüllung, um Spaß und zwischenmenschliche Beziehungen.

Aus diesem Ansatz der Wissenschaft wurde in der Folge das Führungsmodell „Positive Leadership“ abgeleitet, bei dem Führungskräfte auf die individuellen Stärken ihrer Mitarbeiter eingehen und diese fördern. Klar, Schwächen sollten natürlich nicht ignoriert werden – wird aber ausschließlich an diesen gearbeitet, erzielt man lediglich Mittelmäßigkeit statt Spitzenleistungen. 

Ein Beispiel: Ute fühlt sich beim Sprechen vor großen Gruppen unwohl. Zahlen fand sie schon immer weniger einschüchternd als ein Konferenzzimmer voller fragender Blicke. Mit der Nase in Excel-Tabellen steht man selten im Mittelpunkt – und genauso mag sie es.

Ihr Chef wünscht sich allerdings, dass Ute mehr im Verkauf tätig wird und schickt sie auf Seminare zum Erlernen des freien Sprechens und von Sales-Taktiken.

Zwar kann Ute die Theorie später anwenden, zum absoluten Verkaufsprofi wird sie allerdings nicht werden. Warum? Weil es nicht in ihrer Natur liegt, nicht ihre Stärke ist – und sie keine positiven Gefühle dabei empfindet.

Wird aber erkannt, wie begabt sie in der Analyse von Daten ist, wie leicht es ihr fällt, aus Zahlenwirrwarr verständliche Diagramme zu erstellen, und wird diese Stärke gefördert, so gewinnt jeder.

Die Idee ist es, aus Mitarbeitern Mitunternehmer zu machen – Wertschöpfung durch Wertschätzung, Kompetenzen im Unternehmen entdecken und mit dem Kapital, dem Personal, zu arbeiten. Wie geht das?


Positive Leadership in einer Grafik (zum Vergrößern klicken)
 

Das PERMA-Modell der positiven Psychologie

Ein Mensch entfaltet sein volles Potential nur, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind. Wissenschaftler der positiven Psychologie haben herausgefunden, dass die folgenden fünf Faktoren ausschlaggebend für ein erfülltes Leben sind. Sie werden als das PERMA-Modell bezeichnet und sind ebenfalls auf die Arbeitswelt anwendbar.

Wir legen im Folgenden den Fokus darauf, wie Führungskräfte mit Hilfe dieses Wissens ihr Team stärken und zu neuen Spitzenleistungen motivieren können.

P – Positive Emotions

Meist bestimmen unsere Gefühle, wie wir uns verhalten, ob wir motiviert sind, ob wir traurig oder glücklich sind.

Positive Leadership hat das Ziel, positive Emotionen im Arbeitsalltag entstehen zu lassen. Das kann dadurch geschehen, dass wir unsere Stärken einsetzen können, dass wir einen Sinn darin sehen, was wir tun, aber auch dadurch, dass wir gute zwischenmenschliche Beziehungen zu unseren Kollegen haben und uns wertgeschätzt fühlen.

Für Führungskräfte stellt sich die Frage, was sie dazu beitragen können, dass diese positiven Emotionen entstehen. Wie kann Teamarbeit gefördert werden? Welche Grundlagen müssen erfüllt werden, damit der Kollege Arbeitsglück empfinden kann?

E – Engagement

Jeder von uns ist anders. Jeder hat Stärken und Schwächen, verschiedene Interessen und ein unterschiedliches Level an Selbst-Motivation.

Wie können Führungskräfte individuell auf ihre Angestellten eingehen? Wie können Stärken gestärkt werden?

Eine gesunde Selbstwahrnehmung spielt eine große Rolle, wenn man Vertrauen in Kollegen aufbauen will. Nur wenn Sie wissen, wie Sie auf andere wirken und wie Sie richtig kommunizieren, werden Sie herausfinden können, was jeder Ihrer Mitarbeiter individuell braucht, um glücklich und somit produktiv zu sein.

R – Relationships

Das Gallup-Unternehmen führt jährlich Befragungen zur Zufriedenheit von Angestellten verschiedener Unternehmen durch. Es hat sich herausgestellt, dass einer der wichtigsten Faktoren, um sich auf Arbeit glücklich zu fühlen, die Zusammenarbeit im Team ist. Versteht man sich gut mit den Kollegen, ist vieles gleich einfacher: die Kommunikation, die Vertrauensbasis, die Motivation und Produktivität.

Was kann eine Führungskraft zur Förderung zwischenmenschlicher Beziehungen beitragen? Was kann gemacht werden, damit ein Team besser zusammenarbeitet?

M – Meaning

Was Ihr Job ist, wissen Sie sicherlich. Sind Sie sich aber auch bewusst, warum Sie täglich am Morgen aufstehen und zur Arbeit fahren? Erst, wenn wir Sinnhaftigkeit in dem sehen, was wir tun, können wir erfüllt leben und glücklich sein. Vor jeder Aufgabe steht die Frage „Warum?“. Worauf arbeiten wir hin?

Was kann also ein Manager machen, damit die Angestellten die übertragenen Projekte als sinnvoll erachten?

Positive Leadership beginnt immer bei der Führungskraft selbst. Wenn der Chef die Vision des Unternehmens nicht kennt oder diese nicht vorlebt, kann er dann erwarten, dass die Mitarbeiter einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen? Nein.

A – Accomplishment

Unter dem Faktor „Accomplishment“ wird verstanden, Erfolge zu feiern, konstruktives Feedback zu geben, einen Moment still zu stehen und sich selbst und den Kollegen auf die Schulter zu klopfen. Wir brauchen Ergebnisse, wir wollen etwas schaffen und die Wertschätzung dafür erhalten.

Wie können Führungskräfte also Erreichtes sichtbar machen?

Positives Führen beginnt bei der Führungskraft

All die Fragen, die mit den fünf Faktoren des PERMA-Modells aufgeworfen wurden, sollen zum Nachdenken anregen - zu allererst über Sie selbst.

Wollen Sie andere erfolgreich und positiv führen, müssen Sie wissen, was Ihre eigenen Stärken und Ziele sind. Wie steht es um Ihre emotionale Intelligenz? Wirken Sie auf andere empathisch und vertrauenswürdig? Haben Sie überhaupt Interesse daran, Ihre Kollegen kennenzulernen und deren Stärken und Talente herauszufinden? Ja? Dann gehen Sie los und finden Sie heraus, wie Sie Ihr Unternehmen zu einem positiveren Arbeitsplatz machen können. Der wirtschaftliche Erfolg wird sich dann ganz von allein einstellen.

 

Über den Autor:

Filiz Scarcella steht als Dozentin, Mentorin und Unternehmerin für die Positive Leadership-Methode ein. Sie wirbt für stärkenorientiertes Führen und mehr Positivität, Herz und Kommunikation auf Augenhöhe.

 

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von Filiz Scarcella

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