Ratgeber

Vom wirkungsvollen Einsatz der Sprache

von Inés Hoelter05.06.2018
(c) gettyimagesClassen Rafael / EyeEm
(c) gettyimagesClassen Rafael / EyeEm

Kleine Worte können eine große Wirkung haben. Dabei ist nicht nur entscheidend, welche Wörter wir verwenden – sondern vor allem, wie wir sie sagen. 

von Inés Hoelter

Schon seit langem befassen sich Wissenschaftler, Künstler sowie Neurologen mit dem Phänomen „Sprache“. Dass Sprache mehr als nur Worte sind, ist spätestens seit Robert Koch bekannt. Er hatte als erstes in seinem „Kampf“ gegen die Krankheit militärisches Vokabular eingesetzt - mit durchschlagendem Erfolg. Seine Impfstoffe wurden ein großer Erfolg. Auch heute noch wird sich eindrucksvoller Sprache bemächtigt, wenn es um für den Menschen (vermeintlich) gefährliche Dinge geht. So wird ein Bazillum schnell - auch in „seriösen“ Presseblättern - zum perfekten „Raubtier“ oder zum „Ruchlosen“ stilisiert.

+++ Melden Sie sich jetzt an für unseren kostenlosen Newsletter Vertriebsszene und erhalten Sie wöchentlich und kostenlos Einsichten aus der Vertriebspraxis, lukrative Jobangebote und eine Auswahl an Personalwechseln. +++

Auch Lera Boroditsky und Paul Thibodeau sind 2011 der Frage nachgegangen, inwieweit Sprache, bzw. die Auswahl unseres Vokabulars, unsere Entscheidung und Meinung beeinflusst und bildet. In ihrem „Addison-Test“ beschrieben die beiden Psychologen die Kriminalität einmal als „Bestie“ (also als aggressives Monster) und einmal als „Virus“ (also als Krankheit). In zwei Gruppen eingeteilt,  sollten die Probanden entscheiden, welche Maßnahmen für die Stadt Addison richtig seien. Die „Bestien“-Gruppe entschied sich für sehr viel härtere Maßnahmen als die „Virus“-Gruppe. Das gibt uns bereits eine Idee davon, wie machtvoll Sprache und deren Gebrauch ist. Wie leicht sie uns beeinflusst und wie bewusst und sorgsam wir daher Wörter und Metaphern einsetzen sollten.

Bilder durch Klänge erzeugen

Ein ähnlich gelagertes Phänomen beschrieb auch der berühmte indische Neurowissenschaftler der University of California Vilayanur Ramachandran als er seine Konferenzgäste nach Bouba und Kiki befragte. Er zeigte ihnen eine gezackte, sternenähnliche Zeichnung und eine wolkenartige und behauptete, es seien Zeichen aus dem Alphabet der Marsbewohner. Als er seine Gäste fragte, welches der Symbole denn wohl Kiki und welches Bouba sei, erwiesen sich ganze 95% des Publikums als wahre Naturtalente im Marsianischen. Die überwiegende Mehrheit entschied sich dafür, dass Bouba die rundliche und Kiki die gezackte Form sein müsse. Ramachandran hatte mit diesem Ergebnis gerechnet, hatte doch eine von ihm geführte Studie gleiches ergeben. Dabei sind die Naturtalente unter den Erdenmenschen in diesem Falle sehr viel aufschlussreicher, denn offenbar verknüpft unser Gehirn Töne und Wortlaute mit Formen – und oftmals sogar mit Farben. Auf das Phänomen dieser Synästhesien soll hier jedoch nicht weiter eingegangen werden.
 
Ramachandran wollte mit dem Experiment genau das demonstrieren: dass „der Klang von Wörtern visuelle Vorstellungen hervorrufen kann“.

Ein gleich ausgerichtetes Experiment hatte es mit den Worten „Maluma“ und „Takete“ bereits vom deutschen Gestalt-Psychologen Wolfgang Köhler gegeben. Auch er hatte damit die Klang-Form-Assoziationen untersucht, auch er war zum gleichen Ergebnis gekommen: Maluma ist – bzw. klingt - rundlich, Takete dagegen eckig oder zackig. Dichter und Schriftsteller wissen um dieses Phänomen vielleicht instinktiv. Neben Hans Magnus Enzensberger mit seinem Gedichtband „Die Verteidigung der Wölfe“ sei hier auf Michael Ende verwiesen. Der bekannte Schriftsteller kam auf die Idee, in seinem Gedicht „Der Lindwurm und der Schmetterling“ die beiden Tiere einen Pakt schließen zu lassen, in dem sie ihre Namen vermengten, damit sie viel besser passten. Am Ende hießen sie „Lindling“ und „Schmetterwurm".

Mit einem Lächeln die Stimmung heben

Es überrascht wenig, dass sich auf die Erkenntnis, Wortklänge könnten bestimmte Assoziationen hervorrufen, die Marketingforschung stürzte. Da sie aus semantischem Kalkül vor allem Kunstworte für Produkte ersinnt, ist dieses Wissen für Markenpsychologen höchst interessant. Wo ein Ford namens „Edsel“ gnadenlos floppte, ist der Name „Viagra“ für das Potenzmittel äußerst clever gewählt, erinnert es doch erstens an die Niagarafälle und zweitens an das lateinische virilis (männlich, Anm. d. Autorin).

Sogar einzelne Vokale haben Einfluss auf unser Befinden und unsere Reaktionen im Gehirn. Eventuell ist dies unter anderem mit der Lippenstellung zu erklären. Ende der 80er Jahre sorgte der deutsche Sozialpsychologe Fritz Strack mit einem Experiment für Aufsehen. Er wies nach, dass Probanden einen Comic lustiger fanden, wenn sie beim Lesen einen Stift zwischen ihren Zähnen hielten. Und zwar weit aus lustiger, als die Vergleichsgruppe Probanden, die den Stift mit vorgestülpten Lippen ohne Zähne halten mussten. Strack begründete damit das „Facial-Feedback“, nach dessen Hypothese nicht nur Gefühle die Mimik steuern, sondern auch umgekehrt. Die Bedingung läuft also in beide Richtungen. Wer lächelt, bekommt danach bessere Laune. Der zwischen den Zähnen steckende Stift brachte die Probanden unweigerlich zum Lächeln. Ganz im Gegensatz zur zweiten Gruppe, deren Lachmuskeln blockiert waren, weil ihre Lippen den Stift umklammert hielten. „Es mag nach einer abgedroschenen Coaching-Weisheit klingen, aber die empirische Psychologieforschung hat zahlreiche Belege für die Macht des Körpers auf die Psyche gefunden: Wer lächelt, aufrecht geht, die Arme hebt oder gar hochhüpft, kann damit tatsächlich seine Stimmung aufhellen“, so Claudia Wüstenhagen und Stefanie Schramm in ihrem Buch „Das Alphabet des Wissens. Wie Sprache unsere Gedanken und Gefühle prägt“.

Doch nicht nur die Mimik und das Facial-Feedback, welches dem Gehirn bei einem lächelnden Mund suggeriert, dass es offenbar einen Grund gibt, fröhlich zu sein, lässt uns Wortklänge verschieden positiv oder auch negativ bewerten. Es ist das Geheimnis der Frequenzen, warum Buchstaben und ihre Klänge so verschieden auf uns wirken. Sie bringen uns und unseren Körper im wahrsten Sinne des Wortes zum Schwingen.

Wie Vokale in unserem Körper schwingen

Alles ist Energie, alles ist Frequenz. Jegliches physisches und geistiges Phänomen, jedes Ding, jeder Gedanke, jedes Wort, jeder Klang, jede Farbe basiert auf Frequenzen. Das wusste schon Albert Einstein. Sogar jedem Planeten kann eine bestimmte Frequenz zugeordnet werden. Die Erde z.B. hat eine durchschnittliche Frequenz von 7,8 Hertz (Schwingungen/Sekunde).

Frequenzen sind sehr machtvoll. Denken wir wieder an unsere Alltagssprache. Wie weiter oben ausgeführt, assoziiert der Geist – i.e. das Gehirn - mit jedem Wort, bzw. seinem Klang, eine bestimmte Form, einen bestimmten Inhalt. Jedes Wort hat also seine eigene Frequenz, und  deshalb, fernab vom Inhalt, können Worte auch verletzen oder erfreuen, traurig oder auch fröhlich machen. Genau wie Musik haben Wörter großen Einfluss auf unseren Geist. Jeder konnte sicherlich an sich selbst schon beobachten, dass bestimmte Musik beruhigend, andere Musik dagegen innerlich aufwühlend wirkt. Und Apropos Musik: Was wir schon lange ahnten, bestätigen neuere Forschungen: Das Singen von „Vokal-Mantren“ über einige Minuten hat eine sehr „entspannende und erholungsfördernde Wirkung auf den Körper“, wie „der Verlangsamung der Gehirnwellen, Blutdrucksenkung, Anregung des Parasympathikus und der körpereigenen Erholungsrhythmen“. Auch dem Obertonsingen kommt hier ein besonderer Stellenwert zuteil. Praktiziert man ihn, werden die Selbstheilungskräfte aktiviert, und psychische sowie physische Spannungen und Blockaden werden beim langsamen Singen von Vokalen und Obertönen gelöst.

Wenn wir all dies nun wissen, was läge näher, als unsere Worte und unser Vokabular sehr achtsam einzusetzen. Was jeder NLP-Trainer berücksichtigt kann auch jeder Verkäufer oder Mensch in Führungspositionen für einen guten Kontakt nutzen.

Wir haben immer die Möglichkeit, etwas durch unsere Sprache und Wortwahl zu dramatisieren oder zu beschönigen. Denken wir an „ein Stück Leiche“ statt „ein Schnitzel“ oder an „Massenmord“ oder „ethnische Säuberungen“. Diese Beispiele verdeutlichen eindrucksvoll (oder drastisch), wie leicht wir mit Sprache manipulieren können - im Guten wie im Schlechten. Denken wir wieder an die „Bestie“ und das „Virus“; denken wir wieder an die harten und die weichen Konsonanten, denken wir wieder an die hellen und dunklen Vokale, und machen wir uns die Mühe, und suchen wir sie, die Zauberworte. Und denken wir daran, was uns schon Joseph von Eichendorff flüsterte:

Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Über die Autorin

Inés Hoelter unterrichtet seit vielen Jahren als Sprech- und Kommunikationstrainerin angehende Sprecher und Führungskräfte. Durch ihre Schauspiel- und NLP-Ausbildung ist sie spezialisiert auf den optimalen Einsatz von Stimme, Sprache und Körper. Als Moderatorin steht sie selbst vor Publikum und führt durch Podiumsdiskussionen oder Live-Events. Sie doziert und gibt Seminare in Köln, Berlin und auf Mallorca.

Weitere Informationen unter www.ines-hoelter.de oder sprechtraining-koeln.com

Ein Artikel zu diesem Thema ist von Inés Hoelter in der Zeitschrift Praxis Kommunikation erschienen.

Im Text verwendete Quellen:

Vgl. www.zeit.de/2004/07/M-Saugkille

Vgl. P. H. Thibeau, L. Boroditsky: „Metaphors We Think With (2011):  The Role of Metaphor in Reasoning“. Plos One, Bd. 6, Nr. 2

Vgl V. Ramachandran, E. Hubbard (2001): „Synaesthesia – A window into perception, thought and Language“, Journal of Consciousness Studies, Bd. 8, Nr. 12

Vgl. S. Schramm, C. Wüstenhagen (2015): „Das Alphabet des Denkens“, Rowohlt Verlag, S. 19

Vgl. M. Ende (1981): „Der Lindwurm und der Schmetterling“, Thienemannverlag

Vgl. F. Strack, et. al. (1988): „Inhibiting and facilitating conditions of the human smile. A nonobtrusive test of the facial feedback hypothesis.“ Journal of Personality and Social Psychology, Bd. 54, Nr. 5

von Inés Hoelter

Mehr zum Thema die Macht der Worte

Das könnte Sie auch interessieren...

(c) gettyimages/Chin Leong Teoh / EyeEm

Studie

5 Dinge, für die Vertriebler gerne mehr Zeit hätten

aus der Redaktion22.06.2018

„Wir haben doch keine Zeit!“ Gerade im Vertrieb hätte man gerne mehr von dieser kostbaren Ressource. Eine Studie zeigt, wofür genau – und auch, wofür zu viel Zeit draufgeht.

(c) gettyimages/Dina Belenko

Ratgeber

Das Märchen vom Inhalt

von Inés Hoelter21.06.2018

Was wir sagen, ist unbedeutender, als wie wir es sagen. Unsere Stimme beeinflusst unsere Zuhörer entscheidend. Sechs Tipps, mit denen Sie Ihrer Stimme den richtigen Ton geben.

(c) gettyimages/Hero Images

Karriere

Warum mentale Stärke ein Schlüsselfaktor fürs Weiterkommen ist

von Antje Heimsoeth20.06.2018

Das Top-Management deutscher Unternehmen ist männlich. Daran hat auch die Frauenquote wenig geändert. Es gibt noch Handlungsbedarf, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu steigern.