Interview

Verkaufst Du noch oder relaxt Du schon?

Von Christopher Klausnitzer14.10.2014
Work-Life-Balance, Foto: www.thinkstock.com
Work-Life-Balance, Foto: www.thinkstock.com

Work-Life-Balance im Vertrieb? Hat sie Auswirkungen auf den Umsatz des Vertrieblers und welche Work-Life-Modelle sind ideal? Drei Experten beziehen Stellung und geben Antworten.

Von Christopher Klausnitzer

 

Stefanie Häußler, Feel-Good-Managerin, Spreadshirt.net
Christoph Langfort, Leiter Key Account Management Handel, Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG
Dorothea Breitmoser, Gebietsverkaufsleitung Handlungsbevollmächtigte, MAPPEI-Organisationsmittel GmbH & Co. KG

 

Glauben Sie, eine gesunde Work-Life-Balance hat Auswirkungen auf den Umsatz beziehungsweise den Erfolg eines Mitarbeiters?

Häusler: Davon bin ich überzeugt. Ein ausgeglichenes Arbeits- und Privatleben hat Auswirkungen auf die Motivation des Mitarbeiters und somit auch auf seine Leistung. Wenn man hinter seinem Unternehmen steht und mit Freude dabei ist, kann man es zudem viel besser vor dem Kunden präsentieren.

Langfort: Ich glaube, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben kann durchaus Auswirkungen auf den Umsatz oder den Erfolg eines Mitarbeiters haben. Es gibt jedoch weit mehr Einflussfaktoren, die auf Umsatz und Erfolg wirken. Eine gesunde Work-Life-Balance beeinflusst die Motivation, Leistungsfähigkeit, das Engagement, die Identifikation mit dem Arbeitgeber oder Loyalität eines Mitarbeiters. All diese Faktoren münden letztlich in den Arbeitsergebnissen, die wiederum individuell auf Umsatz oder Erfolg Einfluss nehmen.

Breitmoser: Auf jeden Fall! Einfach messbar sind sicherlich niedrigere Ausfallzeiten durch Krankheit. Noch wichtiger ist aber, dass zufriedene Arbeitnehmer leistungsfähiger und motivierter sind. Bei einer gesunden Work-Life-Balance wird im besten Fall die Arbeit nicht als belastend empfunden, sondern bringt Spaß und Erfüllung. In diesem Fall arbeiten wir bei Bedarf gern auch mal länger und mehr – ohne dass die Belastung direkt unverhältnismäßig zunimmt.

 

Ist im Vertrieb eine Work-Life-Balance überhaupt notwendig?

Häußler: Arbeit und Privatleben sollten immer im Einklang stehen. Man zieht aus dem einen Kraft für das jeweils andere. Besonders wenn man, wie im Vertrieb, viel unterwegs ist, ist ein Rückzugsort, an dem man ausspannen und abschalten kann, sehr wichtig.

Langfort: Was ist eine Work-­Life-Balance überhaupt? Primär ist hier die Rede von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben. Gerade in unserem Beruf, der überwiegend ein hohes Maß an Leistungsorientierung vorrausetzt, ist es wichtig auf ausreichende Erholungsphasen zurückgreifen zu können, die es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht, Familie und Privatleben mit dem Beruf in Einklang zu bringen. Die Frage kann also mit einem deutlichen „Ja“ beantwortet werden.

Breitmoser: Gerade ein Vertriebler muss die unterschiedlichen Lebensbereiche im Gleichgewicht  halten. Flexible, aber oftmals lange Arbeitszeiten stellen, verbunden mit Zeit- und Erfolgsdruck, im Vertrieb  eine besondere Herausforderung dar. Daher ist es wichtig, auch mal „abschalten“ zu können.

 

Welche Work-Life-Modelle sind für Vertriebler ideal?

Häusler: Flexible Arbeitszeiten sind eine sehr gute Voraussetzung für eine ausgeglichene Gestaltung von Arbeit und Privatleben. Sie ermöglichen Ausgleichstage und die leichtere Planung von Terminen und Verpflichtungen in beiden Bereichen. Eine Unterstützung beim Thema Familie von Seiten des Unternehmens halte ich darüber hinaus für sinnvoll und wichtig. Dazu könnten unter anderem Betreuungsangebote gehören. Ich denke aber auch, dass ein Team, welches gut zusammen arbeitet und ein Vorgesetzter, der den Menschen im Vertriebler sieht, Grundvoraussetzungen sind, um eine Balance zu finden.

Langfort: Da der Begriff „Privatleben“ ein individueller ist und jeder persönlich seine erholungsrelevanten Schwerpunkte setzt, lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Einige verstehen darunter die Zeit zur Ausübung von Hobbys und Sport. Andere schätzen wiederum gemeinsame Zeit mit der Familie und Freunden oder einfach nur Erholung vom Alltagsstress. Ein allgemeingültiges Work-Life-Balance-Konzept gibt es also nicht. Auf einzelne Bedürfnisse können Unternehmen jedoch durchaus reagieren, beispielsweise durch flexibel auf die jeweilige Lebenssituation zugeschnittene Arbeitszeitmodelle. Sie eröffnen den Mitarbeitern den nötigen Freiraum, ihr Privatleben individueller zu koordinieren. Die häufigsten Startthemen in diesem Zusammenhang sind beispielsweise betriebliche Kinderbetreuung, Fitness-  oder Sportangebote.

Breitmoser: Jeder setzt unterschiedliche Prioritäten in seinem Leben. Aus diesem Grund ist es in erster Linie Aufgabe des Mitarbeiters, sein Arbeits- und Privatleben in Einklang zu bringen. Der Arbeitgeber sollte für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen und dem Vertrieb die Möglichkeit für selbst zu planende Freiräume geben. Für mich ist es optimal, wenn im Arbeitsalltag Ressourcen für Privates und im Privatleben Ressourcen für die Arbeit vorhanden sind.

 

Stefanie Häusler
Stefanie Häußler
, Feel-Good-Managerin, Spreadshirt.net

Christoph Langfort
Christoph Langfort, Leiter Key Account Management Handel, Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG

Dorothea Breitmoser
Dorothea Breitmoser
, Gebietsverkaufsleitung Handlungsbevollmächtigte, MAPPEI-Organisationsmittel GmbH & Co. KG

 

Von Christopher Klausnitzer

Ressort

(c) Pixabay

Gastbeitrag

Verkaufen oder nicht verkaufen – das ist hier die Frage

von Oliver Schumacher08.08.2019

Als Verkäufer sitzt man manchmal zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite ist der Kunde mit seinen Wünschen, Zielen und Erwartungen. Auf der anderen Seite erwartet der Arbeitgeber, dass man als sein angestellter Verkäufer dessen Produkte auch verkauft. Doch was macht man, wenn einem das zu verkaufende Angebotssortiment nicht gefällt?

(c) Pixabay

Gastbeitrag

Wenn die Zeit für Herzlichkeit fehlt

von Oliver Schumacher01.08.2019

Verkäufer streben oft den schnellen Abschluss an, ob aus mangelndem Interesse oder aufgrund von Zeitmangel. Damit kein unnötiger Druck entsteht – und somit auf Kundenseite eine bessere Kauflaune – helfen diese fünf Ansätze.

(c) Pixabay

Gastbeitrag

Viele Verkäufer scheitern – und kaum einer will das ernsthaft ändern

von Oliver Schumacher25.07.2019

Wenn ein professioneller Fußballer den Ball zugespielt bekommt, überlegt er dann ausführlich, wie er den Ball spielt – oder spielt er ihn intuitiv richtig weiter? Würde ein professioneller Fußballer hoffen, während eines Spiels niemals den Ball abzubekommen? Dann würde ein Trainer solch einen Spieler gar nicht erst in sein Team aufnehmen. Käme ein Fußballer, der diesen Sport ernst nimmt, auf den Gedanken, nicht mehr zu trainieren, weil er schon einmal trainiert – und vielleicht sogar schon einmal ein Tor geschossen hat? Solche Fußballer gibt es nicht – solche Verkäufer aber schon.