Gastbeitrag

So gelingt der Wandel im Handel

Von Thomas Spieker 18.08.2015
Wandel im Handel, Foto: www.thinkstock.com
Wandel im Handel, Foto: www.thinkstock.com

Die Austauschbarkeit von Produkten und Kampagnen bringt hausgemachte Probleme mit sich. Insbesondere der E-Commerce stellt die klassischen Handelsstrukturen in Frage. Daher sind Marken und Händler heute mehr denn je gefordert für Ihre Kunden relevant zu bleiben und diese zu binden.

Von Thomas Spieker

 

Neben den oben skizzierten mikro- und makroökonomischen Herausforderungen lassen sich, ausgehend von allgemeinen Megatrends, außerdem einige grundsätzliche Trends für den Einzelhandel beobachten. Budget Retail bedeutet nichts anderes, als dass der Preis alleine nicht mehr zählt. Mit zunehmender Nachhaltigkeitsorientierung wird sich der Discount in den Werten sowie im Look and Feel auf den Flächen zunehmend dem Retail im mittleren Preissegment annähern. Der radikale Preiskampf dürfte sich insofern eher ins Internet verlagern.

 

On- und Offline-Konzepte verzahnen

Mit Hilfe von Big Data Analytics wird es Händlern in Zukunft möglich sein, mittels gelungener Open Commerce-Konzepte, ihre Kunden sehr zielgenau anzusprechen. Die größte Herausforderung von Open Commerce bleibt auch in Zukunft die Datensicherheit. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass der Handel es schafft, On- und Offline-Konzepte adäquat zu verzahnen. Derlei Konzepte lassen sich unter dem Stichwort Local Commerce subsumieren. In Zukunft wird die Frage, ob Umsatz Off- oder Online gemacht wird nicht mehr relevant sein. Neue Bezahlkonzepte führen zu einer völligen Verschmelzung. Dabei lautet das Motto „Global klicken – Lokal kaufen“.

Hinsichtlich der gelebten Werte von Marken und Händlern gilt eine Eigenschaft als besonders herausstechendes und erfolgversprechendes Merkmal: Authentizität. Wem es gelingt, den Kunden glaubhaft in die Markengeschichte einzubinden und ihn somit zum Teil der Marke zu machen bleibt für seine Kunden nachhaltig relevant. Vorausgesetzt auch alle anderen Faktoren wie Kollektion, Produktion, Preislage et cetera stimmen, trägt diese Relevanz dazu bei, dass sich Marken nachhaltig am Markt durchsetzen. Das Rezept um dieses Ziel zu erreichen heißt neudeutsch Storytelling, Geschichten erzählen.

 

In Zukunft mehr Hybridkonzepte

Wie es geht, zeigen Marken wie Red Bull oder Apple. Anders als man im ersten Reflex jedoch denken möchte, sind es nicht nur die großen Marken mit Milliarden-Marketingbudgets. Inspiration, wie es gehen kann, bieten auch diverse Concept- und Fusionstores in den Trendvierteln deutscher Großstädte. Hier lässt sich im Übrigen auch ein weiterer Retail-Trend beobachten. Doch anders als Open Commerce liegt hier ein Jahrtausend-altes Konzept zugrunde. Streetmarkets nutzen Synergien aus der Handels-, Event- und Gastronomiebranche. Sie befriedigen den Wunsch der Konsumenten nach einzigartigen Erlebnissen. Märkte und Markthallen bieten die perfekte Bühne für authentische Präsentation. Die Renaissance der Märkte darf als Vorbote für weitere Hybridkonzepte in der Zukunft verstanden werden. Die Einbettung seiner Marke in derlei Veranstaltungen ist, sofern es zur Marke passt, nichts anderes als authentisches Geschichten erzählen.

Um in Zukunft neue Kunden für sich zu gewinnen und Bestandskunden zu halten, sind die Marken und Händler gefordert, sich den Herausforderungen zu stellen und diese als Chancen zu begreifen. Ein zielgruppenspezifisches, Lifestyle-orientiertes Serviceangebot im Kontext von kanalunabhängigen, ubiquitären Kunden ist die Erwartungshaltung. Die Einbettung der Marke in ihre eigene Geschichte und deren ebenso zielgruppenspezifische Kommunikation in den relevanten Kanälen der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg einer Marke beziehungsweise eines Händlers.

Foto: Sven Umlauf

Thomas Spieker ist geschäftsführender Gründungsgesellschafter bei Mavis. Außerdem ist er Co-Founder der M-Invest, einer Venture Capital Gesellschaft mit dem Investmentfokus auf Startups im E-Commerce Bereich. Zuvor arbeitete Spieker bei der Unternehmensberatung Kienbaum im Bereich Prozessoptimierung.


 

Von Thomas Spieker

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