Gastbeitrag

Rückkehr des Autotelefons?

Markus Sigmund11.01.2016
Foto: Thinkstock/Creatas
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Kein Empfang? Schlechte Sprachqualität? Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, weiß um die Schwierigkeiten, die beim Telefonieren in einem Fahrzeug auftreten können. Immer mehr Unternehmen wollen sich damit jedoch nicht abfinden.

Von Markus Sigmund

 

Arbeitszeit effektiv nutzen: Das ist bei einer Fahrt mit dem Dienstwagen gar nicht so einfach. Nur wenige Beschäftigungen lassen sich mit der nötigen Aufmerksamkeit für den Straßenverkehr vereinbaren. Eine der wichtigsten ist das Telefonieren. Vor allem Vielfahrer, wie Vertriebsmitarbeiter im Außendienst, machen daher von dieser Möglichkeit rege Gebrauch. Sie nutzen so die Zeit im Auto, um Kundengespräche zu führen oder sich mit Kollegen auszutauschen. Zum Einsatz kommt dabei meistens das dienstlich genutzte Mobiltelefon, das via Bluetooth mit der Freisprecheinrichtung des Fahrzeugs verbunden ist. Das gewohnte Mobiltelefon auch im Fahrzeug zu verwenden, erscheint zunächst praktisch. Doch beim konkreten Einsatz zeigen sich die Tücken der Technik: Telefonate müssen aufgrund von Verbindungsproblemen abrupt beendet werden oder sie kommen gar nicht erst zu Stande; der Gesprächspartner ist kaum oder gar nicht zu verstehen. Es ist vor allem die schlechte Empfangs- und Sprachqualität, die Unternehmen nach Alternativen zu Bluetooth-Lösungen suchen lässt.

 

Gespräche störungsfrei führen

Fündig werden immer mehr von ihnen bei einem Klassiker: dem Autotelefon. Denn dank Außenantenne kann es eine deutlich bessere Signalerkennung aufweisen und die Anfälligkeit für Störungen ist reduziert. Auch die Sprachqualität im Freisprechmodus übertrifft die von Bluetooth-Lösungen in der Regel um ein Vielfaches. Beides zusammen erhöht die Sicherheit, dass ein Empfänger auch tatsächlich genau die von einem Anrufer gemachten Informationen erhält.

Ein Unternehmen, das sich für die Einführung von klassischen Autotelefonen entschieden hat, ist die Firma Werth Messtechnik. „Als Hersteller von technisch komplexen Produkten ist es für uns besonders wichtig, dass wir Kundengespräche störungsfrei führen können. Mit den Freisprecheinrichtungen der Fahrzeughersteller ist das aufgrund der Geräuschkulisse selbst bei Oberklassefahrzeugen nur bedingt möglich und Headset-Anschlüsse für eine gute Sprachqualität werden leider nirgends angeboten“, sagt Inhaber und Geschäftsführer Ralf Christoph. Durch eine Internetrecherche stieß das Unternehmen aus dem hessischen Gießen auf die klassischen Autotelefone von pei tel Communications. Diese brachte vor rund zehn Jahren ihre ersten Geräte auf den Markt und verzeichnet seitdem eine stetig steigende Nachfrage: Waren es anfangs nur einige hundert, sind es heute viele tausend Stück, die das Unternehmen aus Teltow bei Berlin ausliefert. Zu den Abnehmern gehören sowohl Firmen, die ihren Lkw- oder Pkw-Fuhrpark damit ausstatten, als auch Behörden wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste.

 

Vorteile des klassischen Autotelefons

Neben der besseren Empfangs- und Sprachqualität weisen Festeinbauten auch noch weitere Vorteile auf. So ist zum Beispiel das Verlustrisiko geringer. Ein Festeinbau kann nicht an der Tankstelle liegen gelassen oder von einem Taschendieb entwendet werden. Ein weiterer Vorteil des klassischen Autotelefons besteht in zahlreichen Zusatzfunktionen. So gibt es zum Beispiel Anschlussmöglichkeiten für weitere Handapparate oder externe Geräte. Ferner verfügen viele Autotelefone heute über Telematikfunktionen, die zum Beispiel eine Fahrzeugortung per GPS ermöglichen oder Daten zur Auswertung von Position, Geschwindigkeit, Distanz und Fahrzeiten übermitteln.

Für die Werth Messtechnik war die bessere Empfangs- und Sprachqualität ausschlaggebend. „Telefonate mit unseren Kunden aus dem Fahrzeug heraus sind unumgänglich, um den Kontakt zu halten. Hierbei kommt es auf eine besonders gute Verbindungsqualität an, um den Gesprächspartnern ‚nahe‘ zu sein und gleichzeitig die nötige Aufmerksamkeit für das Fahren aufzubringen“, so Ralf Christoph. Zudem geht der ADAC davon aus, dass Ablenkung als Unfallursache eine ähnlich große Rolle spielt wie Alkohol am Steuer. Nach Schätzungen war bei jedem zehnten Verkehrsunfall mit Personenschaden Unachtsamkeit der entscheidende Auslöser.

 

Praxistipp: Trennung vornehmen

Kein Mitarbeiter will sich oder Andere gefährden. Das Problem besteht oft in der Versuchung, die von einem griffbereiten Mobiltelefon und dessen vielfältigen Funktionen ausgeht. Für Mitarbeiter, die über ein Autotelefon verfügen, kann daher eine klare Trennung sinnvoll sein: Während der Fahrt darf ausschließlich das Autotelefon zum Führen von Gesprächen verwenden. Das Mobiltelefon bleibt solange tabu. Auf diese Weise kann zum Beispiel der Versuchung entgegenwirkt werden, nach einem Gespräch noch schnell einen Blick ins Postfach zu werfen, um zu sehen, ob eine neue Nachricht eingegangen ist.

Ob sich der Einbau eines klassischen Autotelefons lohnt, muss in jedem Fall einzeln abgewogen werden. Vor allem für Vielfahrer stellen klassische Autotelefone aber eine interessante Alternative zu Bluetooth-Lösungen dar. Ihnen erleichtern die Geräte, die Arbeitszeit im Dienstwagen effektiv zu nutzen.

Foto: Privat

Markus Sigmund arbeitet als Autor und Berater in Potsdam. Er schreibt seit sieben Jahren zu den Themen Technologie und Unternehmensführung.

Markus Sigmund

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