Ratgeber

Wie sich die psychische Widerstandskraft fördern lässt

von Sabine Grosser16.04.2018
(c) gettyimages/ArtmannWitte
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Jeder Vertriebler kennt Zeiten, in denen es mal nicht so gut läuft. Und falls dann noch eine private Krise oben draufkommen, wird es anstrengend und stressig. Während die Einen gut damit umgehen können, werden Andere darüber schlimmstenfalls krank. Das muss nicht sein.
 
von Sabine Grosser
 
Das Wort, vom lateinischen resilire (abprallen, zurückspringen) abgeleitet, wird ursprünglich in der Materialwirtschaft angewendet als Fähigkeit eines Werkstoffs nach elastischer Verformung wieder in die Ausgangsform zurückzukehren. Was hat das mit uns Menschen zu tun? Bei der Betrachtung von Resilienz in Bezug auf die menschliche Widerstandskraft geht es darum, die eigene Fähigkeit weiterzuentwickeln, Krisen wie zum Beispiel Trennungen, Misserfolge, Rückschläge, Krankheiten durch Nutzung persönlicher und sozial vermittelter Ressourcen zu meistern und sich dabei weiterzuentwickeln.

Immun gegen Krisen?

Jetzt heißt das nicht, dass uns Krisen nichts mehr anhaben können. Im Gegenteil – jede Krise ist natürlich eine Ausnahmesituation im Leben. Es heißt allerdings, dass wir lernen können, dass es uns während der Krise gelingt, nicht nur die Bedrohung, sondern auch die Chancen darin zu sehen: wir denken in neue Richtungen, gehen anders an Situationen ran und oft entstehen neue Möglichkeiten, die wir vorher gar nicht sehen konnten. In der Regel werden wir nach einer bewältigten Krise selbstbewusster, stärker und trauen uns mehr zu.

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Mal angenommen Ihr Arbeitgeber trennt sich nach vielen Jahren der Betriebszugehörigkeit von Ihnen. Sie verstehen die Welt nicht mehr, weil sie immer vollen Einsatz gezeigt und gute Ergebnisse erzielt haben. Erst mal wirft Sie der Jobverlust mächtig aus der Bahn. Sie fühlen sich als Verlierer, haben keine Lust mehr sich zu engagieren und fühlen sich als Opfer. Doch dann finden Sie einen Weg, der Ihren Fokus wieder auf Ihre Stärken lenkt. Er findet mit Ihnen raus, was für Sie wichtig ist im Job. Plötzlich denken Sie wieder lösungsorientiert. Sie bewerben sich bei einem neuen Arbeitgeber und nicht zuletzt wegen ihrer positiven Ausstrahlung stellt dieser Sie ein. Die Stelle passt viel besser zu Ihnen als die vorherige. Und sollten Sie noch einmal den Job verlieren, würden Sie aufgrund dieser positiven Erfahrung beim nächsten Mal viel schneller wieder aufstehen. 

Die Schutzfaktoren resilienter Menschen

Eine stabile Persönlichkeit beruht auf verschiedenen Faktoren. In der Literatur werden Sie unterschiedliche Bezeichnungen dieser Faktoren finden. Ich verwende am liebsten die folgenden sieben:

1. Akzeptanz – Es ist wie es ist

Sie finden Ihre Sollvorgabe für das Geschäftsjahr viel zu hoch. Sie haben das bereits mit den relevanten Stellen besprochen. Es wird trotzdem nichts geändert. Jetzt können Sie sich das ganze Jahr darüber aufregen. Oder Sie akzeptieren die neuen Bedingungen, weil sie trotzdem noch besser sind als die sonst notwendige Konsequenz den Job zu wechseln. Und erkennen an, dass Sie es sind, die sich fürs Bleiben entschieden haben. Und dann konzentrieren Sie Ihre Energie wieder auf die bestmögliche Erreichung des Solls. Zu bleiben und sich weiterhin aufzuregen ist reine Energieverschwendung.

2. (Realistischer) Optimismus – Don´t worry, be happy

Realistisch optimistische Menschen verfügen über den tief verankerten Glauben, dass Dinge gut kommen werden ohne dabei die rosarote Brille aufzusetzen. Verallgemeinern Sie also Niederlagen nicht mit Worten wie: „War ja klar, bei mir geht es ja immer schief.“ Oder „Schon wieder habe ich es nicht geschafft“. Sondern gehen Sie davon aus: „Dieses Mal hat es leider nicht geklappt, beim nächsten Mal wird es besser.“  Schätzen Sie dabei die Rahmen-bedingungen realistisch ein.

3. Selbstwirksamkeit(-süberzeugung) – Aus eigener Kraft etwas bewegen

Wir agieren selbstsicher, wenn wir davon überzeugt sind, dass wir etwas schaffen können. Wurde diese Überzeugung nicht in die Wiege gelegt, so hilft es, sich die eigenen (auch noch so kleinen) Erfolge bewusst zu machen. Und die Messlatte nicht zu hoch zu legen. Die Selbstreflektion auf die eigenen Stärken ist ebenso wichtig wie sich die Bestätigung von außen zu holen und diese auch zu glauben.  Wichtig ist dabei die Fähigkeit, die eigenen Emotionen zu steuern. Gefühle entstehen durch unsere Gedanken.

4. Verantwortung – Mein Anteil – Dein Anteil

Lernen Sie Gründe für Rückschläge richtig einzuordnen und ihren eigenen Anteil daran zu identifizieren. Übernehmen Sie Verantwortung für den Teil, den sie beeinflussen können und lernen aus Ihren Fehlern. Bei Konflikten trennen Sie „Sache“ und „Person“. Darüber hinaus hören Sie auf Ihren Bauch bei wichtigen Entscheidungen.

5. Beziehung und Netzwerke – Zahlen Sie auf das Beziehungskonto ein

Ein wichtiger Bestandteil von Resilienz ist das Wissen darüber nicht alleine zu sein. Dazu reicht häufig schon eine Person, der Sie vertrauen können. Das Annehmen von Hilfe ist genauso wichtig wie zu helfen. Versetzen Sie sich in die Gedanken und Gefühlswelt von anderen Menschen hinein und gleichen Bedürfnisse ab. Im Vertrieb ist dies eine extrem wichtige Fähigkeit im Umgang mit Kunden, als Vertriebsleiter zur Teamsteuerung. Damit vermeiden Sie oft Konflikte – und sollte einer auftreten, können Sie ihn schneller lösen.

6. Lösungsorientierung – Zusammenhang von Problem und Lösung 

Menschen, die im Problem verharren, brauchen häufig sehr viel mehr Zeit und Energie, um die damit verbundenen negativen Emotionen zu verarbeiten und die Schuldfrage zu klären. Statt dessen versuchen Sie ihre eigenen Emotionen wahrzunehmen, diese neu zu bewerten und ihr Denken in eine lösungsorientierte Richtung zu steuern. Bei Ergreifen von Maßnahmen, die zur Lösung führen, stellt sich das positive Gefühl für alle Beteiligten wesentlich schneller wieder ein.

7. Zukunftsgestaltung und Visionsentwicklung – Neuausrichtung mit Zukunftsorientierung

Zukunftsorientierung heißt „Bilanz ziehen“ und sich auf erreichbare attraktive Ziele ausrichten. Dabei ist es wichtig, dass Sie das gesteckte Ziel autonom erreichen können und es keine negativen Gefühle bei Ihnen auslöst. Sonst haben Sie einen Zielkonflikt und finden Gründe die Erreichung zu verschieben. Das Bewusstsein über die vorhandenen fachlichen und sozialen Kompetenzen unterstützt dabei die Zielerreichung.

Immer wichtiger in der heutigen sich schnell verändernden Arbeitswelt wird die Fähigkeit zu improvisieren und schnelle Entscheidungen auf Basis unvollständiger Informationen zu treffen.  Es geht immer häufiger um Flexibilität und Anpassungsvermögen bei Erhalt von Widerstandskraft und Souveränität.

Nachdem Sie Schutzfaktoren der Resilienz kennen, würden Sie sagen, dass Sie resilient sind? Oder anders gefragt: Welche der Faktoren würden Sie gerne noch trainieren?

Ein resilienter Mensch hat nicht weniger Krisen, aber er hat bessere Mittel damit umzugehen. Damit reduziert sich sein Stresserleben und insgesamt erhöht sich die Wirksamkeit im Unternehmen.

 

Über die Autorin:

Sabine Grosser, Diplom Betriebswirtin und Alexander-Technik Lehrerin, ist Expertin für Gesundheit und bewusste Kommunikation. Ihre ganzheitlichen Konzepte beruhen auf dem Studium der Gedanken im Verhältnis zu Bewegungen. Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen in Veränderungsprozessen nutzen ihre Kompetenz in den Schwerpunktthemen „Resilienz“, „Mentale Fitness“ und „Körpersprache“. Insbesondere Menschen in Führungspositionen und mit viel Kundenkontakt profitieren durch ihr erweitertes Repertoire im Umgang mit Menschen.

 

 

von Sabine Grosser

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