Porträt

Die Frau an der Spitze

von Florian Sturm29.03.2018
(c) Daimler AG
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Britta Seeger ist Vertriebschefin bei einem der prestigeträchtigsten Autohersteller der Welt. Seit 1. Januar 2017 verantwortet sie als neues Vorstandsmitglied den Bereich Cars Sales & Marketing bei Mercedes-Benz.

von Florian Sturm

Eigentlich stehen auf dem Genfer Autosalon traditionell Cabriolets, Geländewagen und Limousinen im Rampenlicht. Doch am 7. März 2017 ist eine Person mindestens genauso wichtig: Britta Seeger. Seit 1. Januar 2017 ist sie neuestes Vorstandsmitglied der Daimler AG und verantwortlich für den Bereich Mercedes-Benz Cars Sales & Marketing. Jener Sparte also, die einen Großteil des jährlichen Milliardengewinns im Unternehmen ausmacht.

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Die Ruhe und Selbstsicherheit, mit der sie ihren ersten weltöffentlichen Auftritt in der bislang wichtigsten Position ihrer Karriere meistert, ist beeindruckend. Aber nicht überraschend. Völlig unaufgeregt präsentierte sie auf der 87. Autoshow in der Schweizer Metropole das E-Klasse Coupé. Was acht Wochen zuvor in Detroit noch Daimler-Chef Dieter Zetsche vorbehalten war, übernahm nun die 48-Jährige aus Bonn. Eine Geste, mit der die Verantwortlichen des Konzerns untermauern, was bisher primär als offizielles Statement vorlag: „Mit Britta Seeger berufen wir eine erfahrene Managerin, die seit 2013 weltweit in führenden Vertriebspositionen erfolgreich tätig ist. Zugleich stellen wir den Vorstand jünger auf und zeigen, dass wir hervorragende Frauen für Vorstandspositionen haben“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischof.

Mit 19 zu Daimler

Seeger ist – neben Compliance-Chefin Renata Jungo Brüngger  – die zweite Frau in der achtköpfigen Führungsetage an der Spitze des Dax-Konzerns. Eine besondere Rolle komme ihr deswegen jedoch nicht zu, meint sie. „Letztendlich zählen Qualifikation und Leistung, denn Spitzenleistungen sind unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft“, sagt sie im Interview mit dem Business Developer Plus; ergänzt allerdings, dass sie die unternehmensinternen Maßnahmen zur Frauenförderung – spezielle Recruiting-Maßnahmen, flexible Arbeitszeitmodelle sowie eine betriebliche Kleinkind- und Kinderbetreuung – sehr begrüße.

Britta Seeger wurde am 25. September 1969 in Bonn geboren und absolvierte ihr Abitur am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Fellbach, unweit von Stuttgart. Im Rahmen eines Betriebswirtschaftsstudiums an der Stuttgarter Berufsakademie betritt sie bereits als 19-Jährige das Daimler-Universum – um anschließend die Karriereleiter Schritt für Schritt emporzusteigen.

Die Person hinter der Funktion

Bis heute hat Seeger mehr als ein Dutzend leitende Positionen im Unternehmen bekleidet, war Managerin beim Verkaufs- und Markentraining für Pkw, leitete die Bereiche Service Operations & Service Sales sowie Sales & Marketing Teile und war maßgeblich daran beteiligt, Daimler fit zu machen für den Kundenkontakt via Internet. 2013 wurde sie Direktorin von Mercedes‘ Truck-Sparte in Korea – als erste Frau an der Spitze eines ausländischen Unternehmens in der koreanischen Automobilbranche überhaupt. Zwei Jahre später wechselte Seeger in die Türkei, um dort alle Lkw- und Bus-Aktivitäten zu leiten.

Auf privater Ebene etwas über die 48-Jährige zu erfahren – Hobbies, Leidenschaften, Freizeitbeschäftigungen – gestaltete sich in der Recherche äußerst schwierig. In den Medienberichten steht ausschließlich die berufliche Seite Seegers im Vordergrund und als Vorstandsmitglied eines der größten Autobauers weltweit sickert durch die Presseabteilung erwartungsgemäß wenig durch.

„Chef sein heißt für mich, Coach zu sein, und das derjenige, der ein Thema verantwortet, entscheiden darf.“

– Britta Seeger

Obwohl Seegers neuer Job erst zum Jahresanfang 2017 begann, kehrte die dreifache Mutter schon mehrere Monate vor Amtsantritt nach Deutschland zurück. Zeit, die sie zur Vorbereitung auf ihre neue Rolle als Vorstandsmitglied nutzte: „In Südkorea und der Türkei hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, alle Händler zu besuchen. Mein Ziel war immer und ist es bis heute: mein Wissen darüber zu vertiefen, wie in anderen Ländern das Kundengeschäft funktioniert und was die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Märkten sind. In meiner neuen Position ist die Bandbreite an Märkten und Themen sehr viel größer. Deswegen investierte ich viel Zeit in Gespräche und Diskussionen.“

Wie lautet ihr Plan? Will sie eine Revolution im Vertrieb des Autobauers? Nein, eher einer Evolution. Im März sagte sie gegenüber der NZZ, es käme einem Fehler gleich, die Dinge nach dem so erfolgreichen Jahr 2016 „dramatisch zu ändern“. Flexibilität wolle und müsse der Konzern jedoch in allen Bereichen beibehalten. „Wir befinden uns inmitten der größten Transformation seit der Erfindung des Automobils – und diesem Wandel stellen wir uns im Vertrieb.

 

von Florian Sturm

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