Gastbeitrag

Wie sich Vertriebler unterwegs weiterbilden können

von Björn Carstensen07.11.2017
(c) Thinkstock/oatawa
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Produktinnovationen und Veränderungen am Markt machen ein lebenslanges Lernen erforderlich – gerade im Vertrieb. Was Mobile Learning Vertrieblern zu bieten hat.

von Björn Carstensen

Ein hohes Ausbildungs- und Qualifikationsniveau – das zeichnet die Bundesrepublik Deutschland aus und macht uns zu einer der wettbewerbsfähigsten Nationen weltweit. Wie können wir diese Position beibehalten und nachhaltig fördern? Diese Frage betrifft nicht nur die klassischen Bildungszweige wie Schulen und Universitäten, sondern auch immer mehr Unternehmen, die für die Weiterbildung und für die Vermittlung von Know-how an ihre Mitarbeiter verantwortlich sind. Gerade im Vertrieb stellt dies Personaler und Unternehmenslenker vor große Herausforderungen.

Innovationsdichte, neue Rahmenbedingungen und vor allem die Digitalisierung erhöhen den Handlungsdruck bei Unternehmen, sich mit den Themen Schulung und Weiterbildung zu beschäftigen. Hinzu kommt die Herausforderung, wirklich jeden Mitarbeiter im Unternehmen mit dem erforderlichen Wissen zu versorgen – egal, ob dieser vor Ort am Arbeitsplatz sitzt oder unterwegs auf dem Weg zu seinem Kunden ist. Die Lösung: Mobile Learning. Es bietet die Möglichkeit, den Mitarbeiter dort zu erreichen, wo er sich im Alltag ohnehin viel aufhält: Auf mobilen Endgeräten. Der Anwender kann sich durch diese Mobilität ortsunabhängig, selbstständig und individuell weiterbilden, ob allein oder in der Gruppe. Künftig wird diese Flexibilität von Arbeitgebern erwartet werden, denn Berufseinsteiger sind bereits jetzt Digital Natives.

Praxisbeispiele für mobilen Wissenstransfer im Vertrieb

Für Mobile Learning Anwendungen sind besonders dezentrale Organisationen mit vielen Mitarbeitern in Logistik, Vertrieb oder Service prädestiniert. So versorgen zum Beispiel Banken und Versicherungen ihre Filial- oder Vertriebsmitarbeiter mit aktuellen Inhalten per Tablets und Smartphones. Servicetechniker können ihr Wissen schnell auffrischen und auch beim Kunden vor Ort stehen ihnen alle Informationen auf dem Tablet oder Smartphone zur Verfügung. Und auch internationale Teams in unterschiedlichen Zeitzonen bedienen sich mobiler Geräte als Lernplattform.

Gerade in hochkomplexen Wissensbereichen wie beispielsweise der Pharmaindustrie kann Mobile Learning die Weitergabe von Know-how vereinfachen, da alle Informationen örtlich und zeitlich unabhängig zur Verfügung gestellt werden können. Mitarbeiter, Ärzte, Apotheker und medizinisches Fachpersonal werden durch mobile Lernsysteme auf digitale Lehrgänge geschickt. Informationen zu Produkten, neuesten Forschungsergebnissen oder Regelungen können „nachgeschlagen“ werden. Dieses erworbene Wissen sichert eine glaubwürdige und erfolgreiche Beratung. Im Retail Bereich kann darüber hinaus zum Beispiel ein identisches Visual Merchandising ohne Versand von Mails, Grafiken oder Papieren in allen Stores erreicht werden. Rabattaktionen oder saisonale Highlights können auf Knopfdruck kommuniziert werden. Die Anwendungsmöglichkeiten sind breit gefächert. Unternehmen, die sich für ein Mobile Learning System entscheiden, profitieren von Wissenstransfer über moderne, digitale Systeme und mobile Endgeräte.

Mobile Lernlösungen müssen Spaß machen. Wenn dieser Anreiz gegeben ist, kann das volle Anwendungspotenzial ausgeschöpft und eine maximale Motivation, sich mit dem Content zu beschäftigen, ausgeschöpft und erreicht werden. Voraussetzungen dafür sind zum Beispiel eine intuitive Nutzeroberfläche, Gestensteuerung und Gamification-Ansätze. Auch fortgeschrittene Generationen sollen sich damit einfach beschäftigen können. Je höher der Grad an interaktiven Lernmöglichkeiten, desto größer die Akzeptanz des Anwenders. Damit alle Vorteile genutzt werden können, sollten Lernsysteme außerdem nativ sein, also auch abseits von WLAN-Zonen und offline funktionieren.

Einführung von Mobile Learning in Unternehmen

Die zu erfüllenden Voraussetzungen sind abhängig davon, ob das Unternehmen bereits über digitale Lerninhalte verfügt und ob diese über ein Lern-Management-System (LMS) verwaltet werden. Der Aufwand ist eher gering, wenn ein vorhandenes LMS eine Schnittstelle für Daten bietet. Denn in diesem Fall können bestehende Inhalte in ein Mobile Learning System übertragen werden. Sind Inhalte nicht in digitaler Form vorhanden, muss das Unternehmen zunächst für die Erstellung von unter anderem Präsentationen, Lernvideos und Web-Based-Trainings sorgen.

Die Investition in ein Mobile-Learning-System rentiert sich in Unternehmen mit beispielsweise 1000 Mitarbeitern zügig: Hier stehen den Kosten für Präsenzseminare (Reise, Veranstaltung, Spesen) in Höhe von 500.000 Euro die Kosten der Anschaffung von mobilen Endgeräten, des Mobile-Learning-Systems und der Erstellung der digitalen Inhalte in Höhe von ebenfalls 500.000 Euro gegenüber. Die Investition in Mobile Learning rechnet sich entsprechend also etwa im zweiten Jahr.

Die Kombination ist die Lösung

Präsenzschulungen können nicht vollständig durch mobiles Lernen ersetzt werden. Ein intelligentes Zusammenspiel von mobiler Ansprache und Präsenz-Maßnahmen ist der Schlüssel zur dauerhaften Wissensspeicherung und Vertiefung der gelernten Inhalte. Die fachliche Zusammenarbeit mit Kollegen oder ein Austausch in der Gruppe fördern zudem eine nachhaltige Lernerfahrung.

Mobile Weiterbildung wird sich in den kommenden Jahren zum festen Bestandteil des E-Learnings entwickeln. Um die Vorteile des Mobile Learnings auch für den Vertrieb vollständig ausschöpfen zu können und Mitarbeitern ortsunabhängig und flexibel fachliches Know-How anzubieten, muss die Digitalisierung des Contents angenommen und umgesetzt werden. Unternehmen, die ihr größtes Potenzial, nämlich ihre Mitarbeiter, binden und weiterbilden möchten, müssen sich darüber hinaus kompromisslos auf deren mobile Nutzungsgewohnheiten einstellen.

 

Über den Autor:

(c) Björn Carstensen

Björn Carstensen ist gemeinsam mit Kay Mathiesen Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Hamburger Unternehmens SENSOR Digitalmedia Germany GmbH, das das Mobile Learning System Lemon® entwickelt hat. Die beiden Partner haben das Start-up 2016 in Hamburg aus der Taufe gehoben. Carstensen verfügt über langjährige unternehmerische Erfahrung und ist Spezialist für die Bereiche Kommunikation und Design. www.lemon-elearning.com/

 

von Björn Carstensen

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