Analyse

Feuriges Geschäft - Vertrieb in der Grillindustrie

von Carina Winter11.06.2018
(c) gettyimages/Milkos
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Einfach eine Wurst auf den Rost zu legen war gestern. Längst dominieren neuste Technologien und schräge Zusatzprodukte den Grillmarkt. Unternehmen der Branche dürfen Trends nicht verpassen, wenn der Vertrieb auf dem gesättigten Markt eine Chance haben soll.

von Carina Winter

Fisch mit Süßkartoffelpüree und Grillgemüse, sanft zubereitetes Ribeye-Steak oder auch Kuchen mit Sahnecreme zählten zu den Gängen der zweitägigen Grill-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Die Königsdisziplin war das Brisket-Grillen, bei dem eine halbe Rinderbrust 16 Stunden bei niedrigster Hitze gegrillt wurde. Das neun Kilogramm schwere Stück Fleisch brachte Oliver Sievers mit seinem Team „BBQ Wiesel“ den ersten Platz ein. Inzwischen hat der Grillweltmeister Sievers sein Hobby zum Beruf gemacht. Seinen Bekanntheitsgrad in der Grill-Szene machen sich Unternehmen wie der Grill-Hersteller Napoleon, Grillbrikett-Vertreiber Cococabana oder die Geschmacksmanufaktur Ankerkraut zunutze, um ihre Produkte zu bewerben.

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Denn auch unter Hobby-Grillern geht es längst professionell zu. Sie investierten in Smoker und BBQ-Tempel, das Outdoor-Erlebniscooking entpuppte sich als ganzjähriger Schlager. Das Marktvolumen für Grillgeräte, Brennstoffe und dem Zubehör wächst stetig, belegen Zahlen des Kölner Handelsforschungsinstituts(IFH). Jedoch: Die Umsatzsprünge werden von Jahr zu Jahr kleiner. „Von einem zweistelligen Plus wie in früheren Jahren ist die Branche mittlerweile weit entfernt“, heißt es beim IFH. Der Grillmarkt wuchs im Jahr 2016 um 1,7 Prozent. 2017 lag das Marktvolumen bei über 1,2 Milliarden Euro - knapp zwei Drittel nehmen hierbei die eigentlichen Grillgeräte ein. Das restliche Drittel verteilt sich ausgewogen auf Brennstoffe und Grillzubehör. Um weiter Kaufanreize zu schaffen, müssen Grill-Hersteller technisch fortschrittliche Produkte entwickeln und diese mit modernem Marketing in die Köpfe der potenziellen Kunden brennen.

Wie Social Selling in der Grillindustrie funktioniert

Der Grund für das Wachstum auf kleiner Flamme: Viele Hobby-Griller sind mittlerweile gut ausgestattet, der Markt gilt als gesättigt. „Um auf diesem Markt bestehen zu können, müssen Marken ihren potenziellen Kunden Anreize für Ersatzkäufe bieten, zum Beispiel durch innovative Modelle“, sagt Björn Ivens, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bamberg. Auch sei es eine Möglichkeit, ihr Produktangebot um das Kernprodukt Grill herum zu entwickeln und Zubehör und andere Artikel anzubieten. Dabei dürfen sie das Qualitätsversprechen nicht aus den Augen verlieren. Potenzielle Kunden gilt es bereits vor dem Gang in das Geschäft zu erreichen. „Der Einsatz von Sozialen Medien ist hierfür sehr geeignet“, sagt der Wissenschaftler. Auch die Grill-Welt kommt um den aktuellen Marketing-Boom über Social-Media-Plattformen nicht herum. Influencer der Szene, wie zum Beispiel Weltmeister Sievers, grillen selbst auf neusten Produkten, wecken unterbewusst ein Verlangen bei den Fans. Das Geschäft mit dem liebsten Hobby des Deutschen besticht mittlerweile durch Produktplatzierungen in Spots der sozialen Kanäle.
 
Durchschnittlich alle sieben Jahre kauft jeder Deutsche einen neuen Grill – selbst dann, wenn der alte noch gut funktioniert. Hersteller feilen stetig an Modellen, setzen besonders auf Optik und Qualität. Insbesondere hochwertige und höherpreisige Grillgeräte sind bei deutschen Hobby-Grillern sehr beliebt. Black-Editionen mit LED-Details, massiv verarbeitete Holz- oder Steinelemente und auch hochwertige Grillstände kommen bei den Grill-Fans gut an. Die Standard-Holzkohlegrills werden immer mehr von Gasgrillstationen verdrängt. Zudem sind Holzpellet- und Keramikgrills weiter auf dem Vormarsch.

Die digitale Grillwelt

Bei der Spoga, der weltweit größten Gartenmesse in Köln, zeichnete sich besonders ein Trend ab: die Digitalisierung. Hersteller setzen auf App-Steuerungen, Wifi-Controller und Lüfter-Steuerungen. Marktführer Weber-Stephen stellte hier den Elektrogrill „Weber Pulse“ vor, der als einziger Grill auf dem Markt mit einer Hightech-Digitaltechnologie ausgestattet ist, heißt: Nachdem die gewünschte Temperatur über einen Regler eingestellt wurde, hält der Pulse selbstständig über eine eingebaute Garraumüberwachung die Hitze. Die Funktion iGrill überwacht Wurst, Fleisch und Gemüse auf dem Rost, übermittelt die Temperatur in Echtzeit per Bluetooth an die Weber-App auf Smartphone oder Tablet und soll für ein ganz neues Grill-Erlebnis sorgen. Zudem möchte das Unternehmen eine Community schaffen. Über die App können Kunden auf Rezepte, Anleitungen und Tipps rund um den Grill und den perfekten Grillvorgang zugreifen. Auch sie selbst können aktiv an dem Erfolg anderer Hobby-Griller teilhaben, indem sie Bilder hochladen und Tipps geben.

Nicht jeder Hobby-Griller sieht den Mehrwert in digitalen Grills, investiert regelmäßig gleich ein neues Gerät. „Entsprechend wichtiger wird deshalb das Zubehör- und Ersatzbedarfsgeschäft“, sagt Christian Lerch, Berater beim IFH. Unternehmen setzen laut Lerch immer mehr auf professionelle Gadgets wie Pizzasteine, Wokeinsätze, Fleischthermometer und Gemüsekörbe. „Hier gibt es viele neue Trends, und Konsumenten werden zahlreiche Produktinnovationen angeboten“, sagt er. Kein Wunder: Der Umsatz mit Grillzubehör ist in den vergangenen Jahren schneller als der Marktdurchschnitt gestiegen.

Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus der Märzausgabe des Business Developer Plus. Mehr zum ePaper erfahren Sie hier.

von Carina Winter

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