Interview

„Es kommt darauf an, Menschen zu verstehen“

aus der Redaktion20.03.2018
(c) Thinkstock/chombosan
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Ohad Echt hat im Marketing und im Vertrieb gearbeitet. Heute ist er CEO von Emarsys, einem Anbieter von Marketing-Cloud-Software. Am Rande einer Veranstaltung in Berlin sprachen wir mit ihm über modernes Einkaufsverhalten und die Bücher, die ihn weitergebracht haben.

aus der Redaktion

BDPlus: Herr Hecht, kaufen Sie eigentlich noch offline ein?

Ohad Hecht: Auf jeden Fall. Mein individuelles Problem ist: Ich habe eine Obsession mit bestimmten Produkten. Der typische Käufer sucht vielleicht nach einem Paar Jeans, geht in einen Laden und kauft sie. Aber das bin nicht ich. Ich suche mir ein Produkt aus und recherchiere erst einmal im Netz. Wenn ich etwa eine Jacke kaufen möchte, googele ich zum Beispiel „die 10 besten Jacken für Männer“. Dann lese ich ein paar Artikel. Finde ich Modelle, die mir gefallen, suche ich noch nach Erfahrungsberichten. Meine Favoriten vergleiche ich anschließend noch einmal mit Blick auf die Preise.

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BDPlus: Sie sind also kein impulsiver Käufer.

OH: Auf gar keinen Fall. Aber so bin ich, wir sind alle Individuen. Deswegen funktionieren standardisierte Kaufprozesse auch nicht.

BDPlus: Wann gehen Sie denn mal in einen Laden?

OH: Wenn ich meine Recherchen abgeschlossen habe und es ein teures Produkt ist. Dann gehe ich in einen Laden und probiere die Jacke oder die Hose an. Wenn sie das entsprechende Kleidungsstück da haben und es mir passt, kaufe ich es sehr wahrscheinlich auch. Wenn sie es nicht vorrätig haben,  kaufe ich es online – egal wo. Es gibt für mich also kein reines Online- oder Offline-Einkaufen.

BDPlus: Wie muss der Einzelhandel Ihrer Meinung nach in Zukunft aussehen?

OH: In Zukunft werden die Verkäufer im Laden Informationen zur Verfügung haben, die der Kunde beim Surfen im Internet hinterlassen hat. Dadurch kennen die Verkäufer die Bedürfnisse des Kunden, sobald er den Laden betritt und können sich darauf einstellen

BDPlus: Macht es Sie als Online-Shopper nicht nervös, dass so viele Informationen über Sie verfügbar sind?

OH: Nein. Denn ich wusste, worauf ich mich mit der Anmeldung bei Facebook eingelassen habe. Auch jeder Android-Nutzer ist beispielsweise ein Datenlieferant für Google. Es ist dabei nur wichtig, dass die Unternehmen diese Daten verantwortungsvoll nutzen; zum Wohle der Kunden und nicht zu ihrem Nachteil.

BDPlus: Ab Mai 2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Sie soll einen sensibleren Umgang mit Verbraucherdaten gewährleisten. Stellen die neuen Regularien der EU für Sie ein Problem da?

OH: Nein. Wir sind im österreichischen und deutschen Markt groß geworden. Hier sind die Regularien schon jetzt sehr streng. Unsere amerikanischen Wettbewerber werden hier größere Probleme haben. Außerdem haben wir im Sommer dieses Jahres mit der Überprüfung unserer Datenschutzrichtlinien begonnen, wobei für unsere deutschen Kunden keine großen Veränderungen bezüglich GDPR zu erwarten sind.

BDPlus: Wie kann man sich diesen Prozess vorstellen?

OH: Wir unterstützen unsere Kunden stets dabei datenschutzkonformes Marketing zu betreiben. Dazu haben wir uns intensiv mit der neuen Datenschutzgrundverordnung auseinander gesetzt. Zudem achten wir darauf, dass unsere Produkte diesen Regularien entsprechen und entsprechend vertrauensvoll genutzt werden. Darüber hinaus ist Emarsys sowohl ISO27001 als auch ISO27018 zertifiziert.

BDPlus: Zum Abschluss: Als CEO mit Sales-Erfahrung stellen Sie im deutschsprachigen Raum eine gewissermaßen seltene Spezies da. Was würden Sie Vertrieblern raten, die auf das Executive Level kommen wollen?

OE: Ich sage mal so: Menschen müssen bereit für Veränderungen sein. Man sollte sich klar machen, was die eigenen Ziele sind. Möchte man sein Erfahrungslevel weiter ausbauen und neues lernen?  Lernen beziehungsweise sich weiterbilden ist in einer schnelllebigen Branche, wie der unseren, sehr wichtig. Dabei können unter anderem Blogs und Bücher helfen.

BDPlus: Hätten Sie da einen Tipp?

OH: Ich könnte viele aufzählen. Aber um zwei konkret zu nennen: „Sapiens“ von Yuval Noah Harari über die Evolution des Menschen und auch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann sind sehr gute Bücher. Diese haben mir geholfen, Menschen besser zu verstehen. Und genau darauf kommt es an.

Über Ohad Hecht:

Nach Stationen in Marketing und Vertrieb bei Emarsys ist Hecht seit 2016 CEO des Unternehmens. Er hat bei Gründung, dem Ausbau und der Organisation zahlreicher Unternehmen einen hohes Expertenwissen aufbauen könne.

 

 

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