Ratgeber

Wie Sie sich erfolgreich auf Präsentationen vorbereiten

von Martin Bering31.05.2018
(c) gettyimages/Tetra Images
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Sie sollen nächste Woche vor einer Gruppe von dreißig Personen sprechen. Thema: Ihr neues Produkt. Wie Sie Bild- und Tonaufnahmen nutzen können, damit dieser Auftritt ein Erfolg wird.

von Martin Bering

Sie sollen nächste Woche vor einer Gruppe von, sagen wir, fünfundzwanzig oder dreißig Personen sprechen, um eine Dienstleistung oder ein neues Produkt Ihres Unternehmens vorzustellen. Was tun Sie, damit dieser Auftritt ein Erfolg wird? Sicherlich gehört dazu erstmal die inhaltliche Vorbereitung: Was wollen Sie Ihrer Zielgruppe mitteilen, was können Sie in der zur Verfügung stehenden Zeit unterbringen, wie strukturieren Sie das Ganze?

Wenn Text und Powerpoint-Folien bzw. Flipcharts stehen, geht es in der Regel ans Üben. Sie wollen ja nicht Ihren gesamten Text vom Blatt lesen, und Sie wollen nicht wegen einer Zwischenfrage oder einer spontan entstehenden Diskussion Ihren Faden verlieren. Also prägen Sie sich idealerweise größere Textbrocken so ein, dass Sie sie frei vortragen können.

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Wie wirke ich?

So - und weil wir ja alle wissen, dass ein Vortrag nicht ausschließlich durch seinen Inhalt bestimmt wird, sondern maßgeblich durch die transportierten Emotionen, stellt sich den meisten von uns jetzt die Frage: „Wie komme ich rüber?“ Wer sich hier eine Rückmeldung holen will, hält die Präsentation vorher gegenüber einer Person seines Vertrauens. Meint es die- oder derjenige ernst mit Ihnen, so weist sie/er Sie ebenso auf Verbesserungsmöglichkeiten wie auf Stärken Ihrer Darstellung hin.

Wie wäre es für Sie, wenn die oder der Betreffende Sie während Ihrer „Generalprobe“ mit einem Smartphone oder einer Kamera filmt, um das, was sie sagt, mit konkreten Beispielen zu unterfüttern? „Hier hättest du ruhig eine längere Pause machen können, um deinen Worten mehr Gewicht zu geben“ oder „An dieser Stelle wirkt deine Körpersprache sehr überzeugend“.

Mut zur Persönlichkeit!

Im Coaching erhalte ich auf meinen Vorschlag, einen Mitschnitt zu machen, gelegentlich die reflexhafte Antwort: „Ich hasse es, mich selbst in einem Video zu sehen.“ Es ist im Wesentlichen eine Frage der Gewöhnung. Wir müssen uns nur klarmachen, dass wir uns in einer Aufnahme so sehen, wie uns die anderen sehen. Im Übrigen steigt die Akzeptanz des bewegten Selbstbildes angesichts allgegenwärtiger videofähiger Smartphones stetig.

Ganz gleich ob Sie sich von jemand anders filmen lassen oder sich selbst filmen, wird es wesentliche Effekte nach sich ziehen: Zum einen gewöhnen Sie sich nach und nach an diese Form der Selbstwahrnehmung. Zum anderen werden Sie hoffentlich neben Verbesserungswürdigem auch Stärken und liebenswerte Seiten an Ihrer Art des öffentlichen Auftritts feststellen. Ihre zentrale Frage bei der Auswertung Ihrer Aufnahmen sollte nicht lauten: „Wie mache ich es richtig?“, sondern: „Wie entspricht es mir, meiner Persönlichkeit?“

Jemand, der eine Präsentation „nach Lehrbuch“ hält, wird schnell langweilig. Ihre Individualität ist es, die Ihren Vortrag lebendig und interessant macht – Sie und Ihr Bezug zum Thema. Ihre Person steht im Mittelpunkt des Vortrages – nicht die perfekte, aber leblose Powerpoint-Präsentation.

Ein bisschen Technik

Machen Sie Ihre Aufnahme dort, wo Sie ungestört sind. Stellen Sie Ihre Kamera auf ein Stativ oder fixieren Sie Ihr Smartphone. Das Objektiv sollte Sie möglichst waagerecht erfassen, zu starke Neigungswinkel nach unten oder nach oben lassen Sie unvorteilhaft erscheinen. Sorgen Sie für gute Ausleuchtung. Meist reicht eine Decken- oder Stehlampe, die Ihr Gesicht vor schräg oben – niemals von unten! - bestrahlt. Einfallendes Tageslicht sollte von vorne, bestenfalls von der Seite kommen, sonst stehen Sie komplett im Schatten. Dämpfen Sie starkes Sonnenlicht durch Blenden oder Gardinen, so vermeiden Sie harte Schlagschatten auf Ihrem Gesicht.

Das Bildformat für Videoaufnahmen ist quer. Dies entspricht unseren Gesichtsfeld, denn wir haben unsere Augen nebeneinander und nicht übereinander. Das Format gestattet es Ihnen auch, sich im Raum zu bewegen, ohne aus dem Bild zu verschwinden. Die Kamera muss nicht Ihre ganze Person erfassen, sondern nur etwa von der Gürtellinie an aufwärts. Körpersprache findet meist in diesem Bereich statt. Nur im Falle ausladender Gesten über Kopf sollten Sie entsprechend Platz nach oben einplanen, ansonsten kann der Bildausschnitt kurz über dem Scheitel enden. Diese Bildkomposition wird im allgemeinen als angenehm empfunden. Das ist von Bedeutung, selbst wenn Sie ihre Aufnahmen niemandem zeigen: Auch Ihnen sollte gefallen, was Sie filmen. Beachten Sie, dass bei Spiegelreflex- oder Systemkameras das Videoformat (16:9) vom Bildformat (3:2) abweicht, also der Rahmen meist oben und unten, manchmal auch an allen vier Seiten beschnitten wird. Machen Sie eine kurze Probeaufnahme.

Action!

Sobald mit der Technik alles stimmt, drücken Sie auf den Auslöser und beginnen Sie Ihre Präsentation. Die Kamera ist jetzt Ihr Publikum. Lassen Sie sie weiterlaufen, auch wenn Ihnen ein Patzer unterläuft; der Speicherplatz auf der SD-Karte lässt sich ja hinterher wiederverwenden. Achten Sie im Falle einer digitalen Fotokamera auf die maximale Aufnahmelänge von Videoclips.

Wenn Sie nicht Ihre gesamte Präsentation aufzeichnen wollen, konzentrieren Sie sich auf Einstieg und Ende. Wie gewinnen Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums, wie gelingt Ihnen ein prägnanter Schluss?

Machen Sie bei Bedarf mehrere Aufnahmen. Eine Kamera ist geduldig. Sehen Sie sich Ihre Clips an. Sie werden einiges entdecken, das Ihnen verbesserungswürdig erscheint. Richten Sie Ihr Augenmerk aber vor allem auf die Stellen, wo Sie sich selbst gefallen: „Da wirke ich sehr natürlich, überzeugend, fast sympathisch.“ Es hat nichts mit Eitelkeit zu tun, sich diese Sequenzen wiederholt anzuschauen, denn sie liefern Ihnen eine wertvolle Rückmeldung darüber, wie Sie bei Ihrem Publikum die Wirkung erzielen können, die Sie erzielen wollen.

Nur Mut!

 

Über den Autor

Martin Bering, Jahrgang 1962, arbeitet als Rhetoriktrainer und Präsentations-Coach. Lampenfieber ist ihm aus jahrzehntelanger Erfahrung als Seminarleiter und Speaker vertraut. In seiner Praxis in Berlin arbeitet er mit Bühne, Licht und Videokamera. Gute Bühnenpräsenz ist für ihn vor allem eine Frage von Selbstwert und innerer Überzeugung. 

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