Kolumne

Gut angezogen...trotz Online-Verkauf?

eine Kolumne von Sabina Wachtel27.11.2017
(c) Thinkstock/Martin Poole
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In eCommerce-Unternehmen gehören Turnschuhe und Jeans zum Alltag. Und auch DAX-Konzerne dulden mittlerweile ein legeres Auftreten. Braucht es in Zukunft überhaupt noch einen Dresscode im Büro?

eine Kolumne von Sabina Wachtel

Immer mal wieder ist zu hören, mit den Dresscodes, das sei ja heute nicht mehr so streng. Ein großes deutsches Kreditinstitut lockert die Kleiderordnung um Kundennähe zu demonstrieren; der CEO einer führenden Versicherung tritt in knallroten Turnschuhen vor die Aktionäre; die Chefs daxnotierter Konzerne zeigen sich öffentlich im offenen Hemd. Und dann heißt es noch: Wenn man doch sowieso alles online macht – da sieht doch keiner die abgelatschten Schuhe, das dreckige Hemd oder die rausgewachsene Haarfarbe.

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Höchste Zeit, mit einem Missverständnis aufzuräumen. Dazu vorweg ein paar Fakten:

1. Bleibt gültig: Kleider machen Leute.

2. Der erste Eindruck, den sich eine Person von Ihnen macht, wird von Ihrer äußeren Erscheinung geprägt – egal, wie modisch oder auch nicht diese Person selbst ist.

3. Zu formell ist besser als zu leger.

4. Der interne Dresscode und der externe Dresscode sind identisch.

5. Je höher Ihre Position im Unternehmen ist, desto formeller sollte Ihre Kleidung sein.

6. Ist ein Dresscode vorgeschrieben, sollten Sie diesen unbedingt befolgen.

Der Casual Friday

Ich bin der festen Überzeugung, dass eigentlich alles mit dem Casual Friday angefangen hat. Ab da ging es bergab im Büro. Das ist vielleicht überspitzt, ganz so drastisch ist das natürlich nicht. Aber es war ein Anfang. Der Casual Friday hat sozusagen den Weg für eine gelockerte Kleiderordnung im Office geebnet.

Lassen wir mal IT-Branche, stylische Start-Ups, Medienbranche beiseite (die sich alle gern betont lässig geben). Gucken wir stattdessen dahin, wo man sozusagen unsichtbar ist. Telemarketing, e-commerce, Online-Kommunikation: Kann man da tragen, was einem gerade in den Kram passt?

Für die Position kleiden, die man will

Nein. Nein. Nein. Ich weiß wovon ich spreche. Mein Unternehmen erstellt Styleguides, und zwar einige im Jahr für Branchen, die überhaupt keinen Kundenkontakt haben. Und das hat seinen Grund. Weil es nämlich gern ausufert. Keinen Kundenkontakt zu haben heißt ja nicht „Arbeiten im Niemandsland“. Keinen Kundenkontakt zu haben heißt keinen Face-to-Face-Kontakt zu Kunden zu pflegen. Nicht mehr und nicht weniger. Es heißt also nicht, keinen Kontakt zu Menschen zu haben. Ob Sie nun Kundenkontakt haben oder nicht: Unpassende Kleidung zeugt von Desinteresse und mangelndem Respekt anderen gegenüber. Mit angemessener Kleidung hingegen zeigen Sie Respekt und Wertschätzung. Was nehme ich mir raus, wenn ich morgens ins Büro in ausgeleiertem Hemd und Hose, schlurfe? Einiges. Denn ich habe Menschen um mich herum. Freizeitkleidung wie Sweatshirts, Jogginghosen und Flipflops ist im Business noch immer ein No-Go. Vernünftige Schuhe sind die Basis fürs Outfit. Und das Outfit sollte nicht zu kurz sein und nicht zu eng. Die Kleidung im Büro ist nicht bauchfrei, die Hose sollte auch beim Bücken noch da sitzen, wo sie sitzen soll. Generell: weniger Stoff ist im Büro eher unangebracht und wirkt schnell unprofessionell. Unabhängig davon ob Sie Kunden oder Kollegen um sich haben.

Modedesigner Giorgio Armani sagte einst: „Kleide Dich stets für die Position die Du willst – nicht für die, die Du schon hast.“ Wie wahr. Wenn Sie den beruflichen Erfolg anstreben, haben sie sowieso gar keine andere Wahl. Und ganz egal, ob Sie Karriere machen oder nicht, ob Sie Angestellter, Privatier oder Unternehmer sind: Ihr Outfit dokumentiert in welcher Liga Sie spielen, ob Sie wollen oder nicht.

Keine Frage des Geldes

Und noch was: Ob jemand gut gekleidet und gepflegt mit einer guten Portion Stil zur Tür reinkommt,  übrigens nichts mit Geld zu tun. In jeder (Gehalts-)Kategorie gibt es Qualität. Man muss nur wissen, wie man mixt. Und man muss 3 Regeln beherzigen. Diese 3 Regeln gelten immer und überall. Egal, ob Sie Kundenkontakt haben oder nicht:

Regel Nr. 1: Gut gekleideten Menschen traut man mehr zu.

Regel Nr. 2: Orientieren Sie sich nicht blind an Ihrem Chef. Wenn dieser beispielsweise meint, er müsse einen bayerischen Trachtenanzug tragen, muss er da alleine durch.

Regel Nr. 3: Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Nicht jeder will eine steile Karriere machen und ins Top-Management. Aber dennoch: Ungepflegte und unpassende Kleidung spricht Bände, egal in welcher Position. Auch wenn Sie meinen, Ihrem Chef ist es egal, solange der Umsatz stimmt… Dann mag das zwar sein, aber was auch immer sie tragen, Ihr Stil zeigt Ihre Haltung. Probieren Sie es aus. Kaufen Sie einen Gebrauchtwagen in Jogginghose; dann führen Sie das gleiche Telefonat im Anzug. Vom gesparten Geld gönnen Sie sich einen Wochenendausflug nach Madrid.

Und irgendwann haben Sie dann vielleicht doch mal Kundenkontakt….

 

Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Business Developer Plus, dem ePaper von Vertriebsmanager.de. Schließen Sie jetzt hier Ihr Abonnement ab und erhalten Sie die vollständige Ausgabe.

 

Über die Autorin:

(c) Sabina Wachtel

Sabina Wachtel, Jahrgang 1967, ist Unternehmerin, Rednerin, Buchautorin, Handelsblatt-Kolumnistin und TV-Expertin für Dresscode & Style, u. a. in ARD Brisant, ZDF WISO und SAT1 Frühstücksfernsehen.

Unter ihrem Label ManagerOutfit bietet Sabina Wachtel Workshops zum Thema Outfit und Erscheinungsbild im Business sowie individuelle Dresscode-Beratung an. Ihre Plattform für Beauty, Fashion und Lifestyle: MEMBER OF THE 55

 

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