Ratgeber

Die Kunst des Time-out

Ilka Piechowiak 07.10.2016
Foto: iStock/SolisImages
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Kaum war die Fußball-Europameisterschaft (EM) vorbei, gingen die meisten Sportler in den verdiente Urlaub. Und auch für Angestellte und Unternehmer begann jetzt die Zeit des Sommerurlaubs. Für die Spieler der Nationalmannschaft ist klar: Wenn der Wettkampf vorbei ist, ist Pause und Erholung angesagt. Denn Wettkampf-Phasen bedeuten für Leistungssportler hohe mentale und körperliche Belastungen. Doch was im Leistungssport selbstverständlich ist, gilt für viele Angestellte nicht – hier bedeutet Urlaub nicht immer Erholung. Denn viel zu oft arbeiten Manager auch im Urlaub weiter.

Sportler haben ein gutes Gefühl dafür, wann sie noch durchhalten können oder wann es genug ist. Einem wird als Sportler schnell klar: Ich kann nicht mehr. Und dann wird z.B. im Team-Sport auch mal selbst um Auswechslung gebeten. Und wenn – wie bei der EM - die körperliche und auch geistige Fitness, also die Konzentration, nachgelassen hat, werden Fehlpässe gespielt, frei vor Tor nicht getroffen und Elfmeter verschossen. Oder der Körper macht einfach nicht mehr mit und es gibt – ohne gegnerische Einwirkungen – Verletzungen wie Krämpfe, Muskelanrisse oder Ähnliches.

Im Büroalltag reißen wir uns vielleicht keine Muskeln, aber die Grenzen der Leistungsfähigkeit werden sicher bei dem einen oder anderen oft genug überschritten. Das belegt der Anstieg an psychosomatischen Krankheiten eindrucksvoll. Daher ist es wichtig, schon vorher die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen. Piepsen im Ohr, schlechter und nicht durchgehender Schlaf, Magen- und Kopfschmerzen oder Rückenleiden sind nur einige Symptome, die negatives Stressempfinden widerspiegeln können.

Ständige Verfügbarkeit

Der Druck im Joballtag scheint immer höher zu werden: Die Erwartungen des Chefs, Ergebnis- und Umsatzdruck, viele Meetings – nicht alle sinnvoll. Dazu kommen die vielen Mails und der Wahn an Social-Media-Zwangsbereitschaft: Nachrichten in WhatsApp, Facebook LinkedIn, Xing oder anderen Plattformen warten insbesondere nach Feierabend darauf, beantwortet zu werden. Wer den Ton seines Handys noch angeschaltet hat und auf jeden Pieps des Handys reagiert hat selber schuld.

Warum gelingt es nur so wenigen Managern in Unternehmen, für sich ein „Time out“ einzufordern? Ein Time out heißt im übertragenen Sinne, sich Zeit und Raum für sich zu nehmen, um sich körperlich und mental zu erholen. Es bedeutet, mal einen Gang zurück zu schalten, sich dem Sog des ständigen Informationsflusses zu entziehen oder auch nur eine Pause einzulegen.

Bei vielen Führungskräften sind die größten Hindernisse unbändiger Ehrgeiz und vor allem der Glaube, über Stunden, Monate, manchmal Jahre im Hochleistungsmodus laufen zu können. Man sieht diese Menschen immer nur von hinten, weil sie ständig auf der Überholspur sind. Das hält selbst der best-trainierte Sportler nicht durch.

Häufig muten sie sich selbst zu viel zu, delegieren zu wenig an Mitarbeiter, betreiben zu viel Micromanagement. Diese Manager können schlecht loslassen oder interpretieren das aktive Zurückschalten als Schwäche. Es fehlt der Mut zur Lücke beim E-Mail-Lesen oder -Löschen, oder einfach mal ein klares NEIN, wenn ein Termin wieder in die letzte freie Terminlücke gepresst wird. Häufig sind auch Ängste der Grund dafür, dass das eigene Time-out nicht genommen wird. Man traut sich nicht, sonntags das E-Mail-Postfach zu ignorieren, weil man denkt: „Wie sieht denn das aus, wenn ich jetzt nicht antworte?“. Oder die Kennzahlen sind schlecht und man grübelt, woran es liegen mag. Die Angst ist groß, dass man sofort eine Antwort parat haben muss, wenn die Zahlen nicht stimmen. Denn sonst könnte der Chef noch denken, man hat keine Ahnung vom eigenen Geschäft.

Grenzen Sie sich ausreichend von Erwartungen anderer ab!

Umso wichtiger ist es für jeden, neben Termin-, Kennzahlendruck und Erwartungen anderer, die eigenen Ressourcen im Blick zu behalten,  den Mut zu haben, im richtigen Moment Grenzen zu ziehen, auch mal Nein zu sagen und sich Ruhe-Oasen zu schaffen. Selbstbestimmt für die innere Balance zu sorgen ist heutzutage für viele Menschen eine der größten Herausforderungen in der Lebensführung

Planen Sie wöchentlich Zeit für sich ein, klinken Sie sich während der Mittagspause aus! Man muss nicht immer mit den Kollegen essen. Planen Sie für sich eine Runde Sport nach Feierabend oder in der Mittagspause ein. Auch, wenn eigentlich gar keine Zeit ist.

Lassen Sie den Laptop mal zu, wenn Sie schon total übermüdet sind und nur noch mit einem Auge die Mails lesen können. Und essen Sie gesund statt sich mit schneller, ungesunder Kost über Wasser zu halten.

Fokussieren sie sich – tun Sie die Dinge nacheinander!

Unser Tag hat nur 24 Stunden. Wieso glauben wir heute eigentlich, die Dinge alle parallel machen zu können? Nachrichten lesen im Gehen, beim Mittag- oder Abendessen oder sogar beim Fernsehen noch die letzten Mails checken. Am Morgen vor dem Aufstehen schon die Facebook-Messages checken: Ein Wahnsinn der Unachtsamkeit.

Eine Sache zur Zeit machen! Wir lernen schon in der Mitarbeitergesprächsführung, dass wir Handys ausschalten, Telefone umschalten, um dem Mitarbeiter die Wertschätzung zu geben, die er verdient.

Warum gehen wir nicht wertschätzend mit uns selbst um? Wann haben Sie zuletzt mal „nur“ da gesessen und geatmet – außer vielleicht in der Vipassana-Meditation, die Sie sich noch schnell im Urlaub gegönnt haben, weil sie grad „in“ ist. Tun Sie alles, was Sie tun bei vollem Bewusstsein und mit höchster Achtsamkeit.

„Time-out“ ist keine verschwendete Arbeitszeit, sondern eine Investition in die eigene Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit. Wer diese Investition nicht in seinen persönlichen „Businessplan“ einrechnet, wirtschaftet unverantwortlich.

Ilka Piechowiak ist Rednerin, Führungskräfte-Trainerin und Coach. Die ehemalige Managerin und Ex-Handball-Nationalspielerin berät unter anderem zum Umgang mit Ergebnis- und Leistungsdruck.

Ilka Piechowiak

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