Analyse

Die Katze auf dem Sprung

Von André Schmidt-Carré24.08.2015
Die Wildkatze, Foto: Jaguar
Die Wildkatze, Foto: Jaguar

Jaguar ist zurück. Nachdem die englische Traditionsfirma mit dem Sportwagen F-Type einen ersten Achtungserfolg gelandet hat, soll der XE jetzt die Mittelklasse aufmischen – das könnte dank neuer Technik und moderaten Preisen sogar gelingen. Der Dienstwagen-Check.

Von André Schmidt-Carré

 

Jaguar traut sich zurück in die Höhle des Löwen: Die Mittelklasse ist im deutschen Markt so stark umkämpft wie kaum ein anderes Segment, Mercedes C-Klasse, 3er BMW und Audi A4 ringen hier um die Vorherrschaft. Kein Wunder: Die Margen sind auskömmlich, gleichzeitig ist der Markt ein wahres Massengeschäft mit wichtigen Volumenmodellen. An die drei deutschen Platzhirsche kommt bei Stückzahlen und Modellvielfalt auf absehbare Zeit niemand heran. Die Importeure buhlen daher um Kundschaft mit ausgeprägtem Hang zur Individualität und um Dienstwagenfahrer, die Abwechslung suchen. Derzeit blasen vor allem Marken zum Angriff auf die deutschen Premiumherstellern, die einmal zum Ford-Konzern gehörten und dann im Zuge der Finanzkrise an Schwellenländer-Konzerne weiterverkauft wurden, weil Ford dringend Geld brauchte. Statt wie befürchtet von den neuen Eignern zerlegt zu werden, mischen die Marken munter mit: Volvo gehört zum chinesischen Hersteller Geely und startet gerade eine große Modelloffensive, Land Rover und Jaguar sind Eigentum des indischen Auto-Giganten Tata. Nachdem Land Rover unlängst im Geländewagen-Segment reüssierte, pusht Tata nun Jaguar. Der erschienene Sportwagen F-Type wird von der Fachpresse einhellig gelobt und hat das Image der englischen Traditionsmarke entstaubt. Nun soll der neue XE für Stückzahlen sorgen.

Top 5 für Vertriebler

Das könnte klappen: Vorbei sind die Zeiten, als der Vorläufer namens X-Type wegen Gleichteile-Strategie und Sparzwang des Ford-Konzerns als aufgehübschter Wurzelholz-Mondeo daherkam. Der XE ist eine komplette technische Neuentwicklung. Für gute Fahreigenschaften, niedrige Verbrauchswerte und ein prestigeträchtiges Alleinstellungsmerkmal hat der Hersteller dem XE eine besonders leichte Karosse spendiert, die zu 75 Prozent aus Alu besteht. Der XE wiegt im besten Fall nur 1.470 Kilogramm. Bis auf den in die Jahre gekommenen Audi A4 bringt die deutsche Konkurrenz dank intelligenter Kombination verschiedener Materialien zwar ähnlich wenig auf die Waage. Aber Alu hat im Autobau nun einmal einen guten Klang, zudem mildern vergleichsweise hohe Stückzahlen die hohen Produktionskosten des Werkstoffs: Jaguar und Land Rover haben mittlerweile diverse Baureihen auf Alu-Bauweise umgestellt.

Auch unterm Blech legt sich Jaguar ins Zeug: Die Motoren sind allesamt neu entwickelt worden, zum Marktstart im Sommer beginnt die Leistungspalette beim 163-PS-Basisdiesel. Wer mehr Spaß bei der Arbeit haben will, greift zum etwas stärkeren 180-PS-Selbstzünder zum gleichen Preis, der nur wenig mehr verbraucht. Die Einstiegspreise bei der britischen Nobelschmiede werden mit dem XE deutlich sinken, für 36.450 Euro gibt es den bereits gut ausgestatteten 200 PS-Benziner, die Selbstzünder kosten schlappe 50 Euro mehr. Das Topmodell leistet 340 Kompressor-PS, später dürfte Jaguar branchenüblich noch einen Über-XE nachschieben, um der AMG-Fraktion der deutschen Hersteller einzuheizen. Damit unterstreicht Jaguar den sportlichen Anspruch, der sämtlichen XE-Modellen zu Eigen ist: Die Sitzposition ist tief, die elektro-mechanische Lenkung präzise, der Innenraum endlich wieder typisch britisch elegant. Hinzu kommen Schmankerl bei der Multimedia-Anbindung: Wer bei der Ausstattungsoption „InControl“ ein Häkchen macht, kann per Smartphone Klimaanlage und Heizung steuern und sich per Karten-App leiten lassen, wenn er vergessen hat, wo sein Auto steht. Das sollte echten Jaguar-Fans aber eigentlich nicht passieren.         

Daten und Fakten

Fazit:

Der XE hat eine Chance verdient. Wenn die Firmenwagen-Policy Exoten erlaubt und der nächste Händler nicht allzu weit entfernt ist, sollten Vertriebler bei Gelegenheit eine Runde mit dem flotten Briten drehen. Und beim nächsten Fahrzeugwechsel probehalber die Leasingrate für einen XE berechnen lassen.

Von André Schmidt-Carré

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