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Freiräume für den Vertrieb

von Norbert Wessendorf04.04.2018
(c) WeWork
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Produktneuheiten und wachsende Konkurrenz stellen hohe Anforderungen an den Verkauf. Wer überleben will, muss kreativ sein und sich weiterentwickeln. Die Anbieter von Coworking-Spaces wollen Unternehmen dabei helfen, auf diese Herausforderung eine Antwort zu finden.

von Norbert Wessendorf

Das Rezept für Innovationen klingt einfach: Bringe Menschen verschiedenen Alters aus verschiedenen Unternehmensbereichen mit verschiedenen Hintergründen zusammen und lasse sie miteinander reden. Während diese Zutat für die meisten Unternehmen kein Problem darstellen dürfte, gestaltet sich der zweite Faktor schwieriger: guter Kaffee und inspirierende Räumlichkeiten.

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Aus diesem Umstand wollen die Anbieter von Coworking-Spaces Kapital schlagen. Meist in Ballungsgebieten gelegen, locken die Anbieter mit hip eingerichteten Räumlichkeiten für vergleichsweise wenig Geld. So bekommen Mieter unter anderem Lounge-Areas geboten, die jeden Cafe-Besitzer im Prenzlauer Berg neidisch machen würden. Neben der Einrichtung soll auch die Mischung der Mieter den Rahmen für kreatives Arbeiten schaffen.

Etablierte Unternehmen setzen auf Coworking

„Von 18-jährigen Studenten bis 60 Jahre plus ist hier jede Altersgruppe vertreten“, sagt Selina Zehden, Chief Operations Officer beim Berliner Coworking-Space-Anbieter Rent24. „Man denkt vielleicht, dass Startups und Gründer eine andere Vorstellung eines Büros haben, als die etablierten Konzerne.“ Dass das ein Irrglaube ist, zeigt ein Blick auf die Wand mit den Logos der Mieter neben dem Eingang der Filiale in der Oberwallstraße in Berlin-Mitte. Dort prangen neben Amazon auch die Namen von der Deutschen Bahn oder Deloitte. Unternehmensnamen, die nach Disruption klingen, finden sich zumindest hier im ehemaligen Konfektionshaus nur vereinzelt.

Der Gründer von Rent 24 ist Robert Bukvic. Mit diversen Internetportalen, die unter anderem Werkzeuge zur Miete anbieten, war der ehemalige Profibasketballer schon vor Rent24 erfolgreich. Aus Ressourcengründen legte er seine Unternehmen an einen Ort zusammen. „Da hat er erkannt, welches Synergiepotenzial das Zusammenbringen von Menschen in ungezwungener Atmosphäre birgt“, erzählt Zehden.

Weltweit eine halbe Millionen Menschen

Bukvic ist mit dieser Erkenntnis nicht der Einzige gewesen. Alleine in Berlin gibt es mittlerweile weit mehr als zwanzig Anbieter von Coworking-Spaces. Und laut einer Studie arbeiten weltweit circa eine halbe Millionen Menschen in rund 7 800 geteilten Büroräumen. Unternehmen wie Experten sprechen von geringen Kosten, umweltfreundlichen Arbeitsplätzen und einer Umgebung, die neue Denkweisen ermöglicht. In einer Arbeitswelt, in der Innovationen und Kreativität eine der wesentlichen Ressource sind, ist das unabdingbar. 

Der Ansicht ist auch Udo-Ernst Haner, der am Fraunhofer Institut das Team „Information Work Innovation“ leitet. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagzeitung sagte er, dass die herkömmliche Büroordnung dem tayloristischem Verständnis von Arbeit entspringe, „in dem genau festgeschrieben war, welcher Arbeitsschritt einem anderen folgt, was zu tun ist und zu welchem Ergebnis das führt.“ Damit einhergehend seien Einzel- und klassische Großraumbüros ein Hindernis für kreative Arbeit. Bei der Gestaltung moderner Büroräume sei es unter anderem wichtig, dass die Gestaltung der Räume bei den Angestellten Wohlbefinden auslöst.

Wohlbefinden hat Priorität

Ob man bei WeWork, dem Betahaus oder eben Rent 24 auf einem der zahlreichen Sofas Platz nimmt, eines fühlt man sich mit Sicherheit: wohl. Dem Wohlbefinden der Mieter widmet sich bei Rent24 sogar ein dafür abgestellter Community-Manager. Der organisiert unter anderem Partys und leistet Unterstützung bei kleineren Problemen. So soll er bei den Mietern für den Wohlfühleffekt sorgen.

Bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten und dem Abgesang auf klassische Großraumbüros, die von Weiß und Grautönen dominiert werden: Ganz ohne Nachteile ist der Gang in den geteilten Raum nicht. Je nach Ausstattung kann es dort genau so laut werden wie in einem Großraumbüro. Gravierender als die Lautstärke dürfte jedoch der mangelnde Schutz von Unternehmenswissen sein, den die Autoren einer Studie bemängeln. Wer die nächste große Idee hat, der tut gut daran, sie nicht gleich beim Gang zur Kaffeemaschine auszuplaudern. 

von Norbert Wessendorf

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