Lesestoff

Ein DAX-Chef, der Terminator und ein Ex-Boxweltmeister

von Norbert P. Wessendorf05.02.2018
(c) Thinkstock/FotoDuets
(c) Thinkstock/FotoDuets

In seinem Buch „Challenge Management“ beschreibt Wladimir Klitschko seinen Übergang zum Unternehmertun. Mit Unterstützung von prominenter Seite.

von Norbert P. Wessendorf

Gemeinsam mit der Wirtschaftsjournalistin und Autorin Stefanie Bilen hat Wladimir Klitschko Challenge Management verfasst. Das Buch aus dem Campus Verlag gewährt einen Einblick in seine Karriere, trägt seine Erfahrungen als Profisportler aber auch als Unternehmer nach außen und rührt nebenbei die Werbetrommel für seinen Weiterbildungsstudiengang an der Universität St. Gallen. Das bereits im August vergangenen Jahres im Campus-Verlag erschienene Werk hinterlässt in Form und Inhalt beim Leser einen Eindruck wie Klitschkos aktive Boxkarriere: beeindruckend, effektiv – aber recht unspektakulär. 

+++ Abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter Vertriebsszene und erhalten Sie wöchentlich und kostenlos Einsichten aus der Vertriebspraxis, lukrative Jobangebote und eine Auswahl an Personalwechseln. +++

Auf knapp über 200 Seiten berichtet Klitschko in drei Teilen von seinem bisherigen Lebensweg. Es beginnt mit seinem sportlichen Werdegang und seinen ersten Schritten als Unternehmer im ersten Teil. Der zweite Teil stellt dar, welche zwölf „Antworten auf Herausforderungen“, wie Klitschko sie nennt, sich aus dem Profiboxen auf das Wirtschaftsleben übertragen lassen. Im dritten Abschnitt des  Buches dienen Wegbegleiter aus der Wirtschaft als Beispiele für seine Antworten auf Herausforderungen.

Eine einmalige Laufbahn

Während der mittlere Teil schwächelt, stellen die Teile eins und drei die Höhepunkte des Buches dar. Teil eins hat den Charakter einer verkürzten Biographie: Hier schreibt Klitschko über seine Kindheit in der noch sowjetischen Ukraine und wie das Boxen sein Ticket für Reisen in den Westen wurde. Er setzt  sich fort mit Klitschkos ersten Erfolgen und Niederlagen im Profisport und zeichnet den Weg nach, auf dem aus dem Profiboxer ein Unternehmer wurde – und das bereits zu den Zeiten, als Wladimir und Vitali reihenweise Gegner auf den Ringboden schickten. Nach und nach nahmen sie ihre Geschicke in die Hände (Zitat Wladimir: „Treibende Kraft war ganz klar ich“). Dabei verfolgten sie eine Strategie, die bei Vertrieblern auf Widerhall stoßen dürfte: Integrität in Handeln und Auftreten. So war ein Grund für Klitschkos Schritt in die Selbstständigkeit das profitfokussierte Verhalten seines Managements. Das hatte ein Jaguar-Logo auf die Shorts seines Bruders Vitali drucken lassen, obwohl mit BMW ein Sponsoringvertrag bestand, den Wladimir eigenhändig ausgehandelt hatte. Es sind diese und weitere Momentaufnahmen seines Werdegangs, die das Buch lesenswert machen.

Die von Klitschko selbst erdachte Philosophie des „Ergo Sum“ scheint auf den ersten Blick interessant: Jedem Buchstaben des lateinischen „Also bin ich“ hat der Ukrainer eine Bedeutung beigemessen: Expertise, Rightness, Globalism, Optimism, Sustainability, Uncomplexity, Maximum. In der Aufbereitung neu, verbirgt sich hinter der Bedeutung der Buchstaben Altbekanntes. Richtigkeit meint etwa ein ethisch korrektes Handeln, Uncomploxity zielt auf einfache Erklärungen ab, die jeder verstehen kann, und Maximum verlangt, immer das Beste und Optimale herausholen zu wollen.

In Online-Shops ist das Buch in den Kategorien Management und Wirtschaft einsortiert. Doch so recht will es hier nicht reinpassen. Dazu lebt es zu sehr von Klitschko selbst und den Personen, die zum Buch beigetagen haben. So hat SAP-Vorstand Bill McDermott etwa das Vorwort geschrieben. Und Arnold Schwarzenegger nennt Klitschko im Nachwort einen „Winner“. Der Kern des Buches, Klitschkos „Antworten“ im zweiten Teil, sind im Sortiment der Wirtschaftsbücher jedoch kein Novum: „Auf Kompetenzen vertrauen“, „Potenzial identifizieren“ oder „Organisationsstrukturen schaffen“ klingen allesamt bekannt. 

Kein Augenöffner

Auch der dritte Teil brilliert eher durch das authentische und persönliche als durch den reinen Informationsgehalt. Hier dienen Wegbegleiter Klitschkos als Beispiele für seine Antworten auf Herausforderungen. Darunter ist etwa der schillernde Jean Remy von Matt, Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt. Er dient als Beispiel für „Auf Kompetenzen vertrauen“. Inzwischen ist von Matt Mitte sechzig. Noch immer gilt der Erfinder des Saturn Slogans „Geiz ist Geil“ als einer der kreativsten Köpfe der Werbewelt. Das habe er geschafft, in dem er sich auf seine Stärke verlassen hat, unbeirrbar neue kreative Wege zu gehen. Wichtig sei dabei auch das Delegieren von den Dingen gewesen, die ihm weniger liegen.
 
Wer hier die bislang verborgen geglaubte Erkenntnis für den Erfolg in der Wirtschaft zu finden hofft, der dürfte enttäuscht werden. Wer jedoch Wladimir Klitschko ein wenig kennen lernen will, ist mit der Lektüre bestens bedient.
 
Zum Buch:
 

Wladimir Klitschko & Stefanie Bilen: „Challenge Management“. Sachbuch. Campus Verlag. Frankfurt am Main. Geb. 24,95 Euro.

 

 

von Norbert P. Wessendorf

Das könnte Sie auch interessieren...

(c) Thinkstock/eternalcreative

Studie

Verkäufer beklagen Produktivitätsverluste

aus der Redaktion16.02.2018

Vertriebler in Europa haben ein Problem: Sie können nicht maximal produktiv arbeiten. Eine Studie hat die Ursachen untersucht.

(c) Thinkstock/shironosov

Ratgeber

5 Tipps für einen starken Auftritt

von Imme Vogelsang15.02.2018

Begegnen wir Fremden, stecken wir sie innerhalb von nur rund 100 Millisekunden in eine Schublade. In welcher Schublade Sie aber landen, können Sie bestimmen.

(c) Thinkstock/anyaberkut

Ratgeber

So motivieren Sie Verkäufer zum Aufbau langfristiger Beziehungen

von Heinz-Peter Kieser15.02.2018

Moderne Vergütungssysteme zielen nicht mehr auf einzelne Verkäufe ab. Mit Hilfe von Punktesystemen können Unternehmen die Bemühungen für langfristige Kundenbeziehungen vergüten.