Ratgeber

Wie Sie Ihr Burn-Out Risiko klein halten

von Erik Grösche27.02.2018
(c) Thinkstock/Tomwang112
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Die Zahl der Burn-Out-Diagnosen steigt seit Jahren an. Welche Dynamiken die Krankheit verursachen und welche Auswege es gibt.

von Erik Grösche

Ein Burnout verläuft in der Regel in vier verschiedenen Phasen ab: Zuerst kommt eine Phase der Überaktivität, in der „auf Teufel komm raus“ das Engagement in Arbeit, Beruf und Privatleben verstärkt wird, um noch leistungsfähiger zu sein. Es wird versucht, dem Gefühl, es nicht mehr zu schaffen, entgegenzuwirken und der Umwelt zu gefallen. Oftmals ist es ein innerer Druck, ein innerer Antreiber, der die Person zu den Höchstleistungen anstachelt. Die Person definiert sich über ihre Leistungsfähigkeit. Dies geht auch eine Zeitlang gut und die Person sieht sich selbst als extrem belastbar.

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Nach einigen Wochen oder Monaten kann diese Überaktivität nicht mehr aufrecht gehalten werden. Das Engagement wird reduziert. Die Energiespeicher des Körpers sind leer, ein Gefühl des Kontrollverlustes setzt ein. „Ich schaffe es nicht“ oder „die Arbeit wächst mir über den Kopf“ sind Zustände, um die sich das Alltagsdenken dreht. Die nachlassende Arbeitsleistung wird im Umfeld eher negativ aufgenommen, der Druck (vom Arbeitgeber oder selbsterzeugt) wird weiter erhöht. Es entwickelt sich eine negative Einstellung zu den Dingen, die die Person tut oder versprochen hat zu tun.

Im weiteren Verlauf kommt es zum tatsächlichen körperlichen Abbau. Beginnend mit Müdigkeit und ausgelaugt sein. Die Konzentration lässt nach, die Fehlerquote wird größer. Die Arbeit wächst der Person tatsächlich über den Kopf, auf Grund des Stresses kommt es zu einem Schwarz-Weiß-Denken („wenn ich das nicht schaffe, dann ist alles aus“). Krampfhaft wird immer noch an der Idee festgehalten, man könne die verfahrene Situation noch ins Gute lenken.

In der letzten Phase überwiegen dann die Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Verlust des Lebenssinns, totaler körperlicher Zusammenbruch (kräftemäßig oder durch schwere Krankheit), Depression und Suizidgedanken.

Symptome von Burn-Out

Psychische Befindlichkeit: angespannt, dauergestresst, traurig, ängstlich, aggressiv, ungeduldig, nörgelnd, ratlos, kraftlos, unkonzentriert, unwirsch, hilflos, mangelndes Selbstwertgefühl, verzweifelt, generelle Unlust, gereizt, frustriert, pessimistisch, fatalistisch, innere Leere, gesunkene Toleranzgrenze gegenüber Störungen (Geräusche, Unvorhergesehenes etc.), Gefühl der Sinnlosigkeit.

Psychosomatische Symptome - es können auftreten: Magen-Darm Beschwerden, Verdauungsprobleme, Kopfschmerz, Infektanfälligkeit, Herzprobleme, hoher Blutdruck, Abgeschlagenheit, Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Schlafprobleme, Libidoverlust, Schwindel, Müdigkeit, Zittern

Soziale Symptome: Freizeitaktivitäten werden eingestellt, Rückzug aus Freundeskreis und Vereinen, Termine werden abgesagt. Partnerschaftsprobleme und Streit in der Familie. Der Konsum von Zigaretten, Alkohol und Beruhigungsmittel kann sich verstärken, wie auch die Stunden vor dem Fernseher oder Computer. Essstörungen und daraus resultierend Gewichts- zu- oder Abnahme.

Ursachen

In der heutigen Zeit ist natürlich die Arbeitswelt ein Thema, in der immer mehr Leistung von immer weniger Personal verlangt wird. Das Damoklesschwert der Kündigung wird bemüht, jeder ist durch einen „frischen, unverbrauchten“ Mitarbeiter ersetzbar. Diese Arbeitswelt ist ungesund. Ein Weg aus diesem Dilemma kann man nicht generell vorschlagen. Oftmals ist es möglich, Änderungen im Tagesablauf oder Aufgabengebiet zu erreichen, Pausen und Entspannungsübungen einzubauen. Viele Selbständige jedoch sind genau aus diesem Grund ausgestiegen, sind jetzt ihr eigener Chef und bestimmen ihren Tagesablauf und ihr Arbeitspensum selbst. Nicht jeder Mensch ist jedoch dazu in der Lage.
 
Der Hauptgrund hinter Burn-Out jedoch ist der innere Antreiber. Eigene Themen, die Stress verursachen, wenn der Mensch nicht „perfekt“ ist und nicht „funktioniert“. Diese Dynamiken stehen auch meist dahinter, warum sich eine Person den Job aussucht, in dem sie regelrecht verheizt wird und sich nichts Anderes vorstellen kann. Das Selbstbild wird über die Leistung definiert. In diesem Bereich ist Hilfe durch Coaches und/oder Psychotherapeuten notwendig, um sich selbst zu finden und einen anderen Lebenssinn als „funktionieren“ zu erkennen.

Der Weg aus dem Burn-Out

Je früher dieser Teufelskreis durchbrochen wird, desto besser die schnelle Heilungschance. Das Aufsuchen eines Arztes, der einen erst mal aus dem Druck herausnimmt und weitere Maßnahmen einleiten kann, ist absolut notwendig. Kaum einer schafft es, alleine und ohne fremde Hilfe herauszukommen. Zusätzlich zur körperlichen Unterstützung sollte auch im seelischen Bereich unterstützt werden. Hier hat sich die Unterstützung durch einen Coach oder gegebenfalls auch durch Psychotherapeuten (je nach Thema, ein Coach darf nur bis zu einem gewissen Grad unterstützen) bewährt. Dabei sollte man sich klarmachen, dass es auf alle Fälle auch Änderungen im Außen braucht. Es kann nicht so weitergehen wie bisher, wenn dann die Kraft wieder hergestellt ist. Sonst kommt man sehr schnell an den gleichen Punkt.
 
Vorbeugung:

Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Entspannung. Erlernen sie Entspannungstechniken, egal ob unbeweglich (Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Meditation, Trancereisen) oder in Bewegung (Wandern, Sport, Yoga, Tai Chi, QiGong). Achten sie darauf, genug Zeit für Partner, Familie und Freunde zu haben. Planen sie diese Zeiten in Ihrem Terminplaner und halten sie sich diese wertvollen Stunden frei. Überprüfen sie ihre Freizeitaktivitäten, ob sie dort einen Druck aufbauen und wie dieser reduzierbar ist. Vertrauen sie sich einem Coach oder Therapeuten an, der sie unterstützt und mit ihnen zusammen den für sie richtigen Weg findet.

 

Über den Autoren:

Erik Grösche, Heilpraktiker/Psych- und Hypnosecoach, arbeitet seit 8 Jahren in seiner Hypnosepraxis im Taunus bei Wiesbaden mit Klienten, welche Unterstützung im privaten (Gesundheit, Partnerschaft) wie auch beruflichen Bereich (Zielfindung, Kommunikation) suchen. Sein Spezialgebiet ist die Persönlichkeitsentfaltung und Selbstfindung.

 

von Erik Grösche

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